Baffin-Islands-Vortrag
von Kurt Albert & Holger Heuber
Vortrag in München im DAV-Kletterzentrum München

Story von Kurt Albert & Holger Heuber:
"Odyssee 2000", so heißt die Neuroute am "Polar Bear Spire", dem vorher namenlosen Felsturm (Gipfelhöhe 1500m) am Ende des "Edlington-Fjords" auf Baffin-Island gelegen. Das Edlington-Fjord liegt 20km südlich des "Sam Ford Fjords", welches wegen seiner kompakten bis über 1000m hohen Felsabstürze in den letzten Jahren große Bedeutung in der Techno-Big-Wall Szene erhielt. Gewöhnlich machen sich die Kletterer anfang Mai auf den Weg, um mittels "Skidoos" (Motorschlitten) übers zugefrorene Meer die Felswände, die sich unmittelbar am Meer befinden, zu erreichen....
Unser (Holger Heuber, Stefan Glowacz, Gerd Heidorn, Kurt Albert) Ziel war es, den Berg aus eigener Kraft mit See-Kajaks anzugreifen. Am Ausgangspunkt "Clyde River" sagte man uns, dass noch niemals vor uns diese Strecke mit Kajaks gepaddelt worden sei, und man warnte uns vor der sehr rauen See und der Brandungs-Küste ohne schützende Buchten zum An- und Ablegen...
Vor ein großes Problem stellte uns der Materialtransport da keine Depots vorher angelegt werden sollten, mussten ca. 500kg notwendiges Material auf 4 Boote verteilt werden. Das Problem konnte nur mittels 2 Zweierkajaks (Modell "Odyssee" von Prijon), die jeweils eine Person paddelte gelöst werden so konnten wir einen Großteil des Gepäcks auf den vorderen Sitzen verstauen.
Gleich am Startpunkt, dem "Cape Christian" bei Clyde River wurden wir unmittelbar mit dem nächsten Problem konfrontiert: Eisbären!! Etwa 50m von uns entfernt kam gleich mal einer gemütlich aus dem Meer angelandet, schaute sich um und verschwand wieder...schon in Clyde River hatte man uns davor gewarnt, dass im August/September, eben wenn das See-Eis aufgetaut ist, viele hungrige Eisbären an Land in den Fjorden anzutreffen seien.... Zum Glück hatten die Inuits Mitleid und gaben uns eine Waffe - Pump-Gun / Modell Winchester plus Munition zur Verteidigung.
Während der folgenden 25 Tage, bis zu unserer Rückkehr nach Clyde, mussten wir ständig die Nacht mit Freiwachen verbringen ....d.h. 2Std . lang Wachen im Wechsel- so gab es wenigstens 6 Std. Schlaf.... Wir hatten über 20 mal , fast täglich (außer beim Klettern in der Wand) Begegnungen mit Eisbären die einmal unsere Boote knackten und knapp ein Drittel unserer Verpflegung fraßen...
Nach sechs Tagen und knapp 200 km paddelnd übers Meer, erreichten wir das Fjord Ende. Während der nächsten 10 Tage erfolgte der Materialtransport über Land zum etwa 10km entfernten "Polar Bear Spire" und dessen Besteigung. Bei der Route "Odyssee 2000" handelt es sich im die Besteigung eines 450 m hohen formschönen Felsturmes durch seine etwa 450 m hohe senkrechte SO-Wand... es handelt sich dabei um ausschließlich technisch anspruchsvolle und abwechslungsreiche Freikletterei bis zum unteren 9.SG. (laut Holgers Kommentar wohl seine schönste Wand ) im perfektem Granit. Alle Standplätze wurden mit soliden Longlife-Bolts versehen , und auch geschlagene Normalhaken oder zweifelhafte Zwischensicherungen wurden durch "unnötige" Bohrhaken ersetzt damit den ewigen Lästerern nicht der Gesprächsstoff ausgeht!!....Auf weiten Strecken überwiegt jedoch die Absicherung mit Keilen.
Der Rückweg nach Clyde war ebenfalls abenteuerlich wie aufregend...Es musste noch das ganze Gepäck samt Boote über den "Ayr Pass" 4 Tage lang gewuchtet werden.... der 40km lange "Kogalu-River" (bis Wildwasser 3) hinuntergepaddelt werden ..... die letzten 70km über die aufgewühlte See nach Clyde gepaddelt werden...und natürlich gabs immer wieder Minuten des Schreckens mit Eisbären .....
