
KARSTADT SPORT eröffnet seine neue Webseite mit einem Top-Event der Superlative und sponsort 5 Sachsen auf ihrem Weg zum Mount Everest. Man muß wohl nicht dazusagen, dass der höchste Berg der Welt nach wie vor für alle Expeditionisten eine besondere Herausforderung darstellt.
Bereits im März 2001 starteten die Expeditionsteilnehmer von Dresden aus nach Katmandu. Anfang April erreichten sie nach einem siebentägigen Marsch das Basislager. Zunächst wurde zur Akklimatisation erstmal der 7145m hohe Pumori bestiegen. Der Körper wird durch derartige Voraktionen optimal auf die Grenzbelastung einer Mount Everest Besteigung vorbereitet. Dies ist notwendig, um ohne zusätzlichen Sauerstoff, also by Fair means, den Gipfel erreichen zu können.
Die Teilnehmer sind zwischen 35 und 41 Jahre alt, und haben alle schon 7000er und auch 8000er in ihrer Karriere bestiegen. Nach und nach werden auf der Karstadt-Page die einzelnen Teilnehmer vorgestellt werden. Mit dabei sind, um schon mal vorab die Namen zu nennen: Götz Wiegand, Jörg Stingl, Olaf Zill, Thomas Thürpe und Frank Meutzner.
Letztes Jahr erreichten die 5 Jungs schon den Gipfel des 8463m hohen Makalu, dem fünfthöchsten Berg der Erde. In diesem Jahr wollen sie nun endgültig ganz nach oben.
Die Expeditionsteilnehmer sind mit Laptop und Handy ausgestattet und ständig in Kontakt mit den Webmastern von Karstadt Sport, Sämtliche Neuigkeiten und Hintergrundinformationen werden dadurch direkt aus dem Basiscamp geliefert.
Geplant sind die Besteigungen im Leichtgewichts-Expeditionsstil. Das bedeutet, die Teilnehmer werden zuerst am Pumori, und danach am Mount Everest mehrere kleine Hochlager errichten und in den dort aufgestellten Zelten geringe Mengen an Nahrungsmitteln, Brennstoff und Ausrüstung deponieren. Sämtliche Arbeiten am Berg, wie das Errichten der Lager, den Transport der Bergsteiger- und Kameraausrüstung etc. werden n kleinen Seilschaften durchgeführt.
Nachdem die Lagerkette eingerichtet ist, werden sie den Gipfelsturm beginnen. Ziel ist es, neben den Besteigungen des Pumori und Mount Everest, über die gesamte Expedition einen Film zu drehen.
Ein kleines Statement zum Grund der Live-Übertragung:
"In Sachsen haben die Bergsteiger und Alpinisten aus der
Tradition des sächsischen Felskletterns heraus einen besonders
tiefen Rückhalt in der Bevölkerung. So unterstützten jedesmal
sehr viele bergsportbegeisterte Sachsen die
Grußpostkartenaktionen. Auch Diavorträge über Expeditionen in
die Hochgebirge der Erde haben schon viele tausend Besucher
begeistert. Deshalb fühlen die 5 sich verpflichtet,
ausführliche und aktuelle Informationen über den Verlauf der
Expedition durch die Presse bzw. Fernseh- und
Rundfunkberichterstattung der Öffentlichkeit zugänglich zu
machen.
Zu diesem Zweck wollen sie, wie schon bei früheren Expeditionen,
diverse Kommunikationstechniken wie Satellitentelefon, Laptop und
Digitalkameras mitführen, durch deren Hilfe sie Nachrichten und
Bilder direkt aus dem Basislager nach Hause schicken können.
Für eine aktuelle Berichterstattung in Tageszeitungen eröffnet
die Technik, die bereits 1997, 1998, 1999 und 2000 bei anderen
Sächsischen Himalaya-Expeditionen erfolgreich angewendet werden
konnte, viele Möglichkeiten. Neben ausführlichen Informationen
durch die Presse bzw. Fernseh- und Rundfunkberichterstattung wird
die Expedition auch auf der stark frequentierten Internetseite
der "Sächsischen
Himalaya Gesellschaft e.V." (SHG) präsent sein, auf der
Neuigkeiten sowie aktuelle Bilder zugänglich sind.
20.03.01 Start ab Dresden
21.03.01 Ankunft Kathmandu
27.03.01 Abflug mit Helikopter nach Lukla
28.03. - 02.04.01 Anmarsch Lukla - Pumori Basiscamp
03.04. - 30.04.01 Besteigung Pumori
01.05. Marsch Pumori Basiscamp - Everest Basiscamp
02.05. -2.06.01 Besteigung Mount Everest
01.06. - 05.06.01 Rückmarsch Everest BC - Lukla
11.06.01 Abflug Kathmandu
12.06.01 Ankunft Dresden
22.4. Nach knapp vier Stunden an der Steigklemme
hochziehen, sind wir wieder auf dem Schneegrat, froh dass sich
keiner der großen Eisbrocken über uns gelöst hat. Götz,
George und Thomas beginnen mit dem Ausschachten der Plattformen
für die beiden Zelte. Ole und ich gehen weiter an die
Versicherung der Route. 100 m Fixseil, was wir vor zwei Tagen
verlegt haben, entfernen wir wieder. Es ist dort nicht so schwer,
und wir werden wohl jeden Meter brauchen. Immer wieder denken
wir, jetzt wird's gleich einfacher, doch unter der dünnen
Schneedecke ist Blankeis. Außerdem versperren Eistürme und
Spalten eine logische gerade Aufstiegsroute. Ole muss wieder
richtig Eisklettern, 80 bis 90 Grad steil, von meinem
Sicherungsstandpunkt sieht es äußerst verwegen aus, wo er lang
klettert. Aller paar Meter eine Eisschraube, das ist alles an
Sicherung. Und nicht zu vergessen, wir sind über 6 000 m hoch.
Ole holt mich nach, besser gesagt er fixiert das Seil und ich
arbeite mich mit der Steigklemme hinterher. Aber dort, wo Ole mit
den beiden Eisgeräten über die Eiswulst geklettert ist, komme
ich mit dem Gepäck und nur mit einer Steigklemme nicht drüber.
Das Seil wird umgelegt, und ich quere ein Stück in der Eiswand,
um dann über ein fast senkrechtes Stück auf den Absatz zu
gelangen. Schon wieder ist es 15 Uhr, wir müssen umkehren.
Die nächsten 100, 200 Meter sind etwas flacher, aber wir werden
sie auch versichern müssen, da alles Eis ist. Was danach kommt,
sieht nicht besonders einladend aus, wieder Eistürme und riesige
Spalten und Löcher. Da werden wir wohl noch einen ganzen Tag
Arbeit investieren müssen. Aber dann ist ja nur der Gipfelgrat,
und der soll unproblematisch sein. Wir drehen um. Lager 2 steht,
zwei Zelte exponiert auf einem Schneegrat. Kaputt fallen wir in
unsere Schlafsäcke.
23.4. Heute muss es klappen bis zum Sattel. Wir
deinstallieren noch ein weiteres Fixseil, was nach unten führt.
Wir schneiden uns sozusagen erstmal den Rückweg ab. Wenn wir
dann wirklich wieder absteigen wollen, werden wir dort an unseren
Kletterseilen abseilen. Jetzt brauchen wir erstmal das Seil, wir
wollen hoch. Wie schon erwähnt, sind die ersten neun hundert
Meter schnell versichert, dann ein Eisturm, 30 m hoch, 70 bis 80
Grad steil, Thomas verlegt das Fixseil. Wir jumarn hinterher.
Doch dann glauben wir unseren Augen nicht zu trauen. Es gibt
keinen normalen Weiterweg, keinen Durchschlupf. Links neben uns
eine riesige Spalte, unbegehbar. Rechts neben uns ein Loch, 20 m
tief mit Tausenden aufeinandergelegten Eisbrocken. Genau
darüber, jetzt frei in der Luft gespannt, ein ca. 200 m langes ,
altes Fixseil. Hier muss früher mal der Weg lang gegangen sein.
Unsere einzige Möglichkeit bleibt ein drei Meter hoher
Eisüberhang. Thomas will es probieren. Eisgeräte rein, Fuß in
eine Trittschlinge, Eisgerät umsetzen, hochtreten, hoffentlich
hält die Haue im Eis. Thomas keucht wie ein
Hundertmetersprinter, kein Wunder in dieser Höhe.
Der Blick nach oben lässt uns erschaudern. Jetzt ist der
riesige, vielleicht 200 m breite Hängegletscher genau über uns.
Nur ein paar kleine Eistürme schützen uns noch. Im Rechtsbogen
geht's weiter und müssen wir unabdingbar in eine große Rinne.
Jetzt sind wir völlig ungeschützt. Vielleicht 70 m, dann wird's
wieder besser.
Ole und Thomas sind bereits um die Ecke verschwunden, George ist
gerade dabei. Ich steige in den untersten Teil ein, Götz ist ca.
30 m über mir. Ich schaue hoch und hoffe, dass jetzt bloß
nichts da oben losbricht. Warum auch gerade jetzt? Die ganze Zeit
war Ruhe. Ich steige los, da höre ich es krachen und den Schrei
von Götz: Achtung, Steinschlag. Genau über uns rast eine weiße
Wolke auf uns zu. Die Eisstücke rasen im freien Fall auf uns zu.
Götz schmiegt sich an die Eiswand, die ein klein wenig
außerhalb der Schusslinie liegt. Ich springe in großen
Schritten nach rechts, um aus der Schusslinie und in den Schutz
einer kleinen Eiswand zu kommen, schmeiße mich auf die Knie,
presse den Kopf in den Schnee, so dass der Rucksack nach oben
kommt. Da schlagen die ersten Eisstücke ein, zum Glück nur
kleine. Kurz vorher sind die großen Batzen aufgeschlagen und
zersplittert. Götz bekommt was auf die Schulter, ich was auf
Helm und Rucksack. Endlich Ruhe, alles ist gut gegangen. Es war
zum Glück nur eine kleine Eislawine. Während Götz schnell in
den etwas sichereren Korridor aufsteigt, stelle ich mich in den
sicheren Schatten der kleinen Eiswand und schaue gebannt nach
oben, nichts passiert. Das Fixseil ist frei. Mit keuchenden
Lungen arbeite ich mich zu den anderen hoch. Geschafft, in
Sicherheit. Na, ja, wieder mal Schwein gehabt. Mir kommt ein
treffender Spruch in den Sinn: "Wenn die Bergsteiger soviel
Pech hätten wie sie Glück haben, wären sie längst
ausgestorben". Zehn Minuten später ist das Ganze erst mal
vergessen, denn wir hören den Ruf von Ole, dass der Stein in
Sicht ist. Der Stein ist der Punkt kurz unterhalb vom Sattel, den
wir schon von unten gesehen haben, bald haben wir es geschafft.
Das Fixseil ist jetzt alle, über eine vermutliche Spalte legen
wir das Hilfsseil. Dann kommen die Kletterseile dran. Ole und ich
wollen unbedingt noch zum Sattel, um den Weiterweg zu sehen. Die
anderen Drei kehren um. Endlich sind wir am Stein. Noch 50 m bis
zum Grat, 6 400 m hoch. Ich freue mich schon auf einen schönen
Anblick. Ein breiter, flacher Schneegrat, am Ende der Gipfel, so
jedenfalls stelle ich es mir vor. Doch die Ernüchterung lässt
nicht lange auf sich warten. Nach einer Spaltenpassage, eine ca.
100m breite Wand, vielleicht 40 Grad steil. Viel Blau leuchtet
uns entgegen, Wassereis. Und weit ist es noch, sehr weit. Meine
Euphorie wandelt sich in Ratlosigkeit. Auch Ole winkt ab. Wie
jetzt weiter? Wir lassen erstmal die Kletterseile hängen und
steigen bzw. seilen zurück zum Lager. Wir schildern die Lage den
anderen. Was wäre möglich? Aufstieg am nächsten oder
übernächsten Tag und es in Seilschaften versuchen. Doch 700
Höhenmeter sind kein Pappenstiel, und das Gelände lässt alles
andere als schnelles Klettern erwarten. Das Schlimmste: Wir haben
nur noch fünf Eisschrauben und keinen Meter Fixseil. So
erscheint uns das ziemlich sinnlos. Nur da hoch gehen, um zu
merken, dass es nicht funktioniert.
Über eins sind wir uns erstmal im Klaren: Wir wollen es sicher
macher, der Pumori ist nicht Hauptziel der Expedition. Bleibt die
Variante absteigen, neue Fixseile besorgen, wieder aufsteigen,
das Lager 2 in den Sattel verlagern, Gipfelversuch. Zeitbedarf
ca. sieben Tage, da wären wir schon im Mai. Unser Plan besagt
aber, spätestens Ende April zum Everest umzusetzen. Die
Entscheidung fällt nicht leicht. Wir haben 1 500 m Fixseil
verlegt, 30 Eisschrauben und 30 Snowbars zur Befestigung der
Seile gesetzt, schwierige Klettereien hinter uns gebracht. Aber
was soll's, es ist der Akklimatisationsberg. Ich würde gerne die
Umsetzung zum Everest verschieben und neue Fixseile besorgen.
Aber da stehe ich allein und muss einsehen, dass es doch besser
ist abzubrechen. Der Gedanke an den Hängegletscher und Eisschlag
und daran, diese Passage noch mehrmals begehen zu müssen, macht
die Entscheidung etwas einfacher. Wir brechen hier ab. Zur
besseren Akklimatisation wollen wir noch hier oben bleiben,
Material bergen und am 25.4. ins Basislager zurückkehren.
24.4. Eigentlich sollte heute für alle Ruhetag sein, aber
Götz und George wollen schon heute das Material bergen, "da
haben wir's weg". Nach dem Mittag kommen sie schwer bepackt
wieder und bestätigen Oles und meine Meinung vom Aufstieg zum
Gipfel.
25.4. Wir bauen Camp 2 ab, seilen ab zu Camp 1 und bauen
auch dieses ab. Drei Leute vom Küchenteam helfen uns, alles an
diesem Tag ins Basislager zu bringen. Wie zur Bestätigung für
unsere Entscheidung ist den ganzen Tag schlechtes Wetter, starker
Wind, Wolken, Schneefall. Der Everest hat eine bedrohliche
schwarze Wolkenkappe. Wenn wir anders entschieden hätten, wäre
heute Gipfeltag gewesen, aber bei dem Wetter keine Chance. Unser
Essen wäre oben alle gewesen und und und ... Nach sieben Tagen
erreichen wir alle gesund das Basislager. Endlich wieder mal was
richtiges essen. Jetzt warten wir erstmal auf die
Trekking-Gruppe, die übermorgen hier ankommen soll. Alles
weitere später.