Unsere Bandscheibe


Zunehmend mehr Bandscheibenprobleme bei Kletterern

Schon im alltäglichen Bereich leisten die Bandscheiben Schwerstarbeit - ohne, dass wir es bemerken. Dass wir aufrecht gehen können, dass wir Lasten heben können, dass wir unseren Oberkörper drehen und beugen können ist Leistung der Wirbelsäule. Die Bandscheiben selber wirken als Stoßdämpfer unseres Rückrats und bei jedem Schritt, den wir tun, federn sie das Körpergewicht ab. Es ist vielen nicht bewußt, dass die Bandscheiben auch bei einfachen Tätigkeiten, wie Sitzen usw., einer hohen Druckbelastung standhalten müssen. Im allgemeinen kommen unsere Bandscheiben mit der Belastung sehr gut zurecht, jedoch werfen Haltungsfehler, Bewegungsfehler und allgemein falsche Belastungen die Puffer aus der Bahn. Ein Bandscheibenvorfall kann sich anbahnen.

Zunehmend mehr Kletterer klagen über Probleme mit dem Rücken, bzw. mit den Bandscheiben. Eine Ursache hierfür liegt sicherlich an den neuen Trainingsmöglichkeiten, den künstlichen Kletteranlagen. Diese sind so konzipiert, dass viele Überhänge und Dächer nicht nur für die Profis, sondern auch für Mittelclass-Kletterer zu bewältigen sind. Das Klettern von Überhängen hat seinen Reiz und macht Spaß; leider haben sie jedoch den Nachteil: sie können Gift für den Rücken sein. Zum einen wird zu schnell und früh im steilen Gelände geklettert, Muskeln und Sehnen haben sich noch nicht an die harte Belastung angepaßt, zum anderen wird der Rücken durch z.B. den "Ägypter" (Eindrehbewegung) geradezu abartig verdreht.

Was leistet unsere Wirbelsäule und was sind Bandscheiben?

Die Stützfunktion übernimmt der Wirbelkörper. Dieser ist außen durch harte Knochensubstanz begrenzt und innen mit leichten Schwammknochen gefüllt. Die Bewegungsfunktion übernehmen hingegen die kleinen Zwischenwirbelgelenke, die durch die Fortsätze des Wirbelbogens am Wirbelkörper befestigt sind. AlleWirbelbögen zusammen bilden den Wirbelkanal. Dieser schützt das Rückenmark vor Verletzungen. Im Wirbelbogen selbst treten dicke Nervenwurzeln aus, die sich in unmittelbarer Nähe zu den Bandscheiben befinden. Diese Nerven sind dafür verantwortlich, dass Impulse vom Körper zum Gehirn und umgekehrt transportiert werden.

Um die Belastungen abzufangen, die bei Bewegung und starken Kräften den Rücken belasten, sind die Bandscheiben als Puffer tätig. Ansonsten würden die Wirbel schließlich ständig aufeinander drücken. Die verformbaren Bandscheiben dämpfen also jegliche Erschütterungen und Krafteinflüsse und tragen zur Beweglichkeit des gesamten Rückgrats bei, indem sie als Abstandhalter Drehungen und Beugungen der Wirbel gegeneinander ermöglichen.

Die Bandscheibe selber besteht aus einem stabilen äußeren Faserring und dem Gallertkern, einem weichen flüssigkeitshaltigen Mittelteil. Belastungen jeder Art pressen die Flüssigkeit aus der Scheibe. Im Laufe eines Tages verliert sie daher sowohl an Flüssigkeit als auch Höhe. Ihr alle kennt ja den Satz: "Abends wird man kleiner", und es verhält sich tatsächlich so. Während der nächtlichen Ruhephase saugt sie sich erneut mit Flüssigkeit voll.

Im Alter verliert der Gallertkern zunehmend seine Elastizität. Er verliert Flüssigkeit, wird spröde und hält Belastungen nicht mehr so gut aus. Wirken nun zusätzlich noch Haltungsfehler, Fehlbelastungen und falsche Bewegungen auf die Bandscheibe ein, dann verschleißt sie zunehmend, Risse und Spalten bilden sich zunehmend und erste Rückenbeschwerden machen sich bemerkbar. Nächste Konsequenz ist, dass die Bandscheibe an Elastizität und Funktionalität verliert, wodurch sich u.a. der Gallertkern verrutschen und nach außen vorwölben kann. Wölbt sich besagter Gallertkern aus der Bandscheibe hinaus, ist er jedoch noch vom Bindegewebe des Faserringes umgeben, so handelt es sich um eine Bandscheibenvorwölbung. Der Gallertkern kann aber aufgrund brüchiger Faserringe den Ring auch ganz durchbrechen und austreten. In diesem Moment handelt es sich dann um den klassischen Bandscheibenvorfall. Letzte Ursache ist dann oft nur eine falsche Bewegung.

Nicht immer aber haben Rückenschmerzen etwas mit den Bandscheiben zu tun. Die Anzahl möglicher Ursachen ist vielfältig, wodurch es für den Arzt immer nicht leicht zu diagnostizieren ist. Rückenschmerzen könne auch oft durch Magen-Darm-Probleme hervorgerufen werden. Aber auch Nieren-Erkrankungen und sogar Zahnschmerzen können die Ursache sein. Eine Zahnbehandlung wirkt daher manchmal Wunder und man ist mit einem Schlag von den Schmerzen befreit.

Muskelschwäche, sitzende Tätigkeiten, Haltungsfehler und Bewegungsmangel strapazieren die Bänder am Rücken, die Muskelansätze und Gelenkkapseln.

Interesanterweise wurde nun festgestellt, dass 3/4 aller Fälle mit Rückenschmerzen sowohl muskuläre wie auch psychische Ursachen haben. Anspannung allgemein im Leben, beruflich oder privat, bedingen Verspannungen und Muskelverhärtungen. Wichtig ist hier also selber mögliche Stressfaktoren zu erkennen und an der Lösung zu arbeiten, bzw. sie zu reduzieren.

Wie bemerkt man die Vorstufe eines Vorfalls, bzw. den Bandscheibenvorfall?

Schon ab einem Alter von 20 Jahren treten die ersten Abnutzungserscheinungen an den Bandscheiben auf.

Nahezu immer entsteht ein Bandscheibenvorfall an der unteren Lendenwirbelsäule, die mechanische Belastung ist hier am stärksten. Die Halswirbelsäule ist seltener betroffen und noch rarer die Brustwirbelsäule. Wer eine schlechte Körperhaltung hat (bei Kletterern oft der Fall) belastet die Bandscheiben dauerhaft. Aber auch Übergewicht, falsches Heben und Tragen begünstigen die Abnutzung.

Meist entwickeln sich die Beschwerden erst nach und nach, so dass man anfangs gar nicht an ein Bandscheibenproblem denkt und es als Rückenschmerzen abtut.

Typische Symptome für einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich können sein:

Desweiteren können noch heftigere Anzeichen auftreten, z.B.:

Übrigens: Der Bandscheibenvorfall an sich tut nicht weh, da die Bandscheiben keine Nervenanbindung haben. Allerdings können aufgrund der Nähe von Bandscheibe und Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmark austretenden Nerbvenleiter gereizt, teils sogar gequetscht werden. Dies verursacht dann die heftigen Schmerzen.

Wie kann der Arzt einen Vorfall feststellen?

Der Arzt wird nach der körperlichen Untersuchung und einer Reflexprüfung die Wirbelsäule, bzw. Lendenwirbel röntgen. Dadurch kann er knöcherne Veränderungen und Fehlhaltungen erkennen. Den Bandscheibenvorfall an sich kann man via Röntgen nicht sehen. Ein modernes, wenn auch sehr teures Diagnoseverfahren sind die Kernspintomographie (NMR) oder Computertomographie (CT).

Steht als Ziel gleich eine Operation an oder gibt es andere Methoden?

Hängt von der Intensität und der Dauerghaftigkeit der Beschwerden ab. Auch bei Lähmungserscheinungen wird man sofort auf die operative Methode zukommen. Im allgemeinen läßt sich ein Bandscheibenvorfall aber konservativ behandeln.In der Regel wird der Arzt erstmals versuchen, den Druck, den das Bandscheibengewebe auf das umliegende Gewebe ausübt zu reduzieren. Die Entzündung und die Schmerzen müssen gehemmt werden. Dies geschieht durch geeignete, entzündungshemmende Medikamente, absolute körperliche Schonung, sprich Bettruhe und Anwendung von Wärme oder Kälte. Durch Wärme und Bäder (z.B. Heublumen) entspannt sich die durch den Schmerz verkrampfte Muskulatur, was ja wiederum den Schmerz verstärkte. Eine weitere Entspannungstechnik wie auch Druckentlastung der Bandscheibe ist die sogenannte Stufenlagerung: Man legt sich hierzu auf den Rücken und legt die Unterschenkel im angewinkeltem Status auf eine Erhöhung (z.B. mehrere Kissen...). Das entspannt die Sehnen der Streckmuskulatur am Oberschenkel,wie auch die Beugemuskulatur.

"Diclofenac" oder vergleichbare Medikamente wirken entzündungshemmend, aber auch Lokalanasthätika (betäubende Injektionen, die an die Nervenwurzeln gespritzt werden) haben sich sehr bewährt. Durch die Injektion schmerzstillender und entzündungshemmender Medikamente wird die Schmerzweiterleitung der gereizten Nerven oder Nervenwurzeln blockiert, was sofortige Besserung verspricht. Sanfte Therapie- und Besserungsmöglichkeiten werden unten aufgelistet.

Eine "Heilung" vollzieht sich folgendermaßen:

Therapiemöglichkeiten bei allgemeinen Rückenschmerzen & Bandscheibenvorfällen:

Sanfte Therapien

Was kann man vorbeugend gegen Bandscheiben- und Rückenbeschwerden tun?

Im Groben kann man erstmal aufzählen:

Im Einzelnen eignet sich zur Prävention und Selbsthilfe:

Yoga:
Yoga ist eine Mischung aus Entspannung und Anspannung, gemixt mit körperlichen Übungen. Der leicht medidative Aspekt entspannt Körper wie Geist.. Daneben wird der Körper durch kräftigende Übungen trainiert. Yoga kann man sehr gut zur Ergänzung der physiotherapeutischen Übungen machen, bzw. einfließen lassen.

Büro- und Sitzausstattung::
Wer viel sitzen muß, sei es im Büro oder im Auto, kriegt schneller Rückenprobleme. Man kann jedoch auch hier präventiv gut ansetzen: Z.B. durch die richtige Höheneinstellung des Stuhls: die Beine müssen dabei fest auf dem Boden stehen, die Kniegelenke im rechten Winkel. Durch diese Einstellung sitzt man aufrecht und es wird viel Druck von der Wirbelsäule genommen. Bewährt hat sich auch ein Kissen, dass auf den Stuhl gelegt wird. Das Becken wird hierdurch in die richtige Stellung verlagert, was ebenfalls die Wirbelsäule entspannt. Desweiteren sollte man sich einen Drehstuhl zulegen, um unnötige Drehungen aus der Wirbelsäule heraus zu vermeiden. Aber auch der Schreibtisch sollte so sein, dass er so hoch ist wie die Ellenbogen. Das garantiert, dass die Schultern bei der Arbeit entspannt hängen.

Richtiges Liegen und Schlafen:
Die Wirbelsäule muß auch im Schlafen einiges aushalten und sollte daher gut versorgt sein. auch im Schlaf gut versorgt sein. Auf jeden Fall sollte sie sich im Schlafen gerade ausrichten können und sich nicht knicken. A und O ist auch die richtige Ausstattung, und man sollte hier finanziell nicht sparen. Eine guter Bettrost und Matratze machen sich bezahlt. Sie dürfen auf gar keinen Fall zu weich sein. Manche umgehen das Problem und legen ein Brett unter die Matratze. Sehr entlastend für die Wirbelsäule ist auch, wenn man sich ein Kissen zwischen die Knie klemmt - beim Seitwärtsliegen. Ebenso sinnvoll ist es bei allgemeiner Seitwärtslage. sich ein Kissen in die Taille zu schieben.

Ernährung ist wichtig:
Empfohlene Nahrungsmittel sind z.B. Milchprodukte, viel Gemüse und Obst. Die Versorgung mit Vitamin D und Calcium sind wichtig für Knochen, und daher auch für die Wirbelsäule. Desweiteren ist Magnesium ein wichtiger Lieferant, um Verkrampfungen zu lösen und Muskeln zu entspannen. Gibt es in der Apotheke auch als Brause oder Tabletten. Wer zuviel Gewicht hat, muß es natürlich reduzieren, da zuviel Eigengewicht die Wirbelsäule ganz schön unter Druck setzt.

Think positive:
Wußtet Ihr, dass es ein Schmerzgedächtnis gibt, und dass sich der Körper Schmerzen merkt? Schmerzen können "gelernt" werden. Damit ist nicht gesagt, dass sie nicht wirklich vorhanden sind, es bedeutet, dass eine innere Anspannung, eine Konzentration auf die Beschwerden und eine Erwartungshaltung Schmerzen verstärken und sogar hervorrufen kann. Wer innerlich stark angespannt ist, bzw. verkrampft (Berufsstress, Stress in der Partnerschaft usw.), bei dem verspannen sich die Muskeln zusätzlich. Entspannungsübungen wie Yoga und autogenes Training können hier helfen.

Übungen für zu Hause:
30 Minuten täglich Zeit für Rückengymnastik wären genial, z.B. Übungen wie:

Sport

Bewegung ist für die Bandscheibe lebensnotwendig. Die Bandscheibe bezieht ihre Nährstoffe aus der Gewebeflüssigkeit und wird nicht von Blutgefäßen versorgt. Jede Bewegung, die Ihr tätigt, drückt die Bandscheibe zusammen. Die Folge ist, dass Gewebsflüssigkeit austritt. Nach diesem Vorgang ist die Bandscheibe wieder entlastet, sie saugt sich erneut mit Flüssigkeit inklusive neuer Nährstoffe voll. Je mehr gesunder Bewegung (also kein Hardcoretraining), desto mehr helft Ihr Eurem Rücken. Das gilt natürlich nur bei bandscheibenfreundlichen Sportarten - siehe nächster Punkt

Welcher Sport ist gut für den Rücken?

Bandscheibenfreundliche Sportarten sind unter anderem:

Sportarten, bei denen eine gezielte Kräftigung der Rückenmuskulatur im Vordergrund steht, bietet der Wirbelsäule Halt und Stabilität. Leider trifft das nicht auf alle Sportarten zu, manche sind geradezu gefährlich bei Rückenbeschwerden. Fitnesstraining ist gut, wenn es unter fachgerechter Anleitung gechieht und ein gezieltes Trainingsprogramm für die Rumpfmuskulatur aufweist.

Bandscheibenunfreundliche Sportarten sind unter anderem:

Weiterführende Links

Interessante Infos über die Bandscheiben & Probleme

Bandscheibenprobleme von Chiropraktik

Bücherauflistung zum Thema Bandscheiben

Übungen für die Bandscheiben