Lungenödem bei Bergsteigern


Neuesten Erkenntnissen zufolge handeln sich Bergsteiger und Kletterer in hohen Lagen viel leichter ein Lungenödem ein als angenommen. Oft bemerkt man die ersten Symptome kaum, oder nimmt sie zumindest nicht ernst.

Größtes Problem ist hierbei vor allem die schnelle Überwindung vieler Höhenmeter. Nimmt man sich für den Aufstieg zu wenig Zeit, riskiert man das sogenannte Höhen-Lungenödem. Aus den Lungenarterien tritt dabei Flüssigkeit aus und wird durch den Druck in das Lungengewebe gepresst. Ein Atmen ist dadurch kaum mehr möglich. Man schätzt sogar, dass dies bei 5 % der Bergsteiger einen tödlichen oder zumindest lebensbedrohlichen Ausgang nehmen kann.

Die meisten glauben, dass sie davon nicht betroffen sein werden - neueste Studien belegen aber das Gegenteil. Im folgenden der Text von der Netzzeitung (übrigens allgemein sehr interessant zu lesen):

"Die Mediziner um George Cremona von der Universität Mailand untersuchten Bergsteiger am Monte Rosa, dem mit rund 4.600 Metern zweithöchsten Berg der Alpen. Direkt vor dem Aufstieg aus 1.200 Metern Höhe und eine Stunde nach der Ankunft auf 4.559 Metern wurden Herz- und Lungenfunktion von 262 Kletterern ermittelt. Lediglich einer der Alpinisten musste aufgrund eines schweren Lungenödems ausgeflogen werden, schreiben die Mediziner im Fachblatt «The Lancet». Immerhin 40 Kletterer zeigten eine verschlechterte Lungenfunktion. Und bei rund drei Vierteln der klinisch unauffälligen Probanden stellten die Forscher ein verfrühtes Schließen der feinen Lungenwege beim Ausatmen fest.

Cremona und seine Kollegen glauben, dass dies auf eine Verengung der Atemwege durch Wassereinlagerung zurückzuführen ist. Falls diese Interpretation zutrifft, «entwickelt sich bei drei von vier Freizeit-Bergsteigern kurz nach einem mäßig schwierigen Aufstieg ein unauffälliges Lungenödem.» Das Lungenödem ist neben dem Hirnödem (Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen) die gefährlichste Komplikation im Verlauf einer Höhenkrankheit. Wer länger als einen halben Tag in Höhen über 2500 Metern verweilt, setzt sich diesem Risiko aus.

Dabei spielt die Höhe eine entscheidende Rolle: Bei Studien in den Schweizer Alpen erlitten 10 Prozent der untersuchten Bergsteiger auf 2900 Metern, 35 Prozent auf 3600 Metern und rund die Hälfte auf 4500 Metern eine akute Bergkrankheit. Entscheidend ist der innerhalb eines Tages überwundene Höhenunterschied, der ab 3000 Metern in der Regel nicht über 500 Metern betragen sollte. (nz/jkm)"

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