Gefahr: Knorpelschäden


Teilweise neuer Ansatz: Die Knorpelzelltransplantation

Knorpelstimulation und autologe Transplantation von Knorpel und Knochen wird in der Medizin zunehmend mehr eingesetzt. Bevor wir hier auf das Thema der relativ neuen autologen Knorpelzell-Transplantation (ACI) eingehen werden, möchten wir Euch zuerst einen kurzen Einblick in den Bereich Knorpelschäden, Arthrose und Abnutzung geben. Ganz voran müssen wir jedoch anführen, dass die körpereigene Knorpelzelltransplantation nur funktioniert, wenn rund um den Defekt gesunder Knorpel ist, also keine allgemeine Arthrose besteht. Zudem ist, wie uns Dr. Volker Schöffl mitteilte, das Verfahren derzeit noch so teuer, dass es derzeit nur in wenigen Fällen eingesetzt wird. Bei seiner Stellungnahme an die Softrock-Redaktion, weist er ausdrücklich darauf hin, dass die Indikation sehr eng ist und bei posttraumatischen Läsionen in der Hauptbelastungszone derzeit mindestens 30.000 DM kostet. Nichts desto trotz ist es ein sehr interessantes Verfahren, und wer weiß in welche Richtung die Entwicklung inklusive Kosten gehen wird.

Allgemeines zum Thema Knorpelschäden & Arthrose:

Gelenke bestehen aus mehreren Komponenten und verschiedenen Strukturen. Bei z.B. einer Arthrose können die Gelenke in unterschiedlichem Maße betroffen sein. Gelenke haben viele Aufgaben, u.a.:

Ursache und Folgen von Knorpelschäden

Ein Knorpelschaden im Kniegelenk ist durchaus keine Seltenheit. Mit zunehmendem Alter kommt es nun mal zu einer Abnutzung des Gelenkes, vor allem dann, wenn eine allgemeine Achsabweichung der Knochen vorliegt (O-Bein oder X-Bein), aber auch wenn die Körpermasse unverhältnismäßig hoch ist. Nicht zu unterschätzen ist, dass sich bei ständiger, langandauernder Belastung kann ein Knorpelschaden einstellen kann.

Die Ursachen der Arthrose führen immer zuerst zu einem Knorpelschaden. Hunderte, wenn nicht tausende verschiedene Faktoren können zu einem Knorpelschaden führen. Unfälle, Überlastungen, angeborene Fehlformen der Gelenke, Stoffwechselstörungen und vermutlich auch Ernährungsfehler sind die wichtigsten Ursachen.

So kann z.B. durch einen schon längere Zeit vorliegenden Meniskusriß aufgrund der mechanischen Störung ein Knorpelschaden an den angrenzenden knorpeligen Gelenkflächen des Ober- und Unterschenkels entstehen. Durch Mini-Einklemmungen der abgerissenen Meniskusteile in den Gelenkflächen entstehen Ausfransungen bis hin zum völligen Abrieb der Knorpelfläche. Die Prognose bezüglich Belastbarkeit, Reiz- und Beschwerdefreiheit nach einem arthroskopischen Eingriff bei einem Meniskusriß hängt daher entscheidend davon ab, welche Knorpelschäden bereits durch die Verletzung entstanden sind.

Die Folgen der Arthrose sind vielen Betroffenen nur zu gut bekannt:

Für jedes Gelenk und jedes Stadium sind das Ausmaß und die Ausprägung dieser Vorgänge aber sehr verschieden. Die Ausprägung des Knorpelschadens differiert und wird in vier verschiedene Grade eingeteilt.

Grad I:   Verfärbung des Knorpels, Erweichung, Aufquellung des Knorpels
Grad II:   Risse im Knorpel, Ausfransung des Knorpels
Grad III:   Defekte bis zu Knochen, Aufbrüche im Knorpel
Grad IV:   freiliegender Knochen, Völliges Fehlen von Knorpel

Von einer Arthrose spricht man, wenn sich in der Röntgenaufnahme des Gelenkes Veränderungen sichtbar nachweisen lassen. Diese Veränderungen zeigen Verschmälerungen des Gelenkspaltes und geben damit Hinweise auf einen Knorpelschaden, sie zeigen auch Verhärtungen der unmittelbar dem Knorpel anliegenden Knochen und zusätzliche Knochenbildung, mit der der Körper versucht, den Schaden zu begrenzen, um mehr Auflagefläche zu schaffen.

Links zum Thema

Die Autologe Chondrozyten Implantation oder die Züchtung von körpereigenem Knorpelgewebe

Kurzfassung

Knorpelzelltransplantation (Autologe Chondrozytentransplantation) ist ein Verfahren der Biotechnologie, mit welchem isolierte Knorpelschäden in Gelenken, meist unfallbedingt, repariert werden können. Das Fatale bei Knorpelverletzungen ist, dass Gelenkknorpel nicht von sich aus heilen kann. In vielen Fällen führt das zu vorzeitiger Arthrose. Die Knorpelzelltransplantation versucht, der Natur diesbezüglich ein Schnippchen zu schlagen.

Der unbehandelte Knorpeldefekt

Meist bildet sich bei unbehandelten Knorpelschäden fibrotisches (minderwertiges) Narbengewebe, welches nicht so leistungsfähig wie das ursprüngliche Knorpelgewebe ist und schnell wieder abgetragen wird. Bei einem Knorpeldefekt im Gelenk stellen sich Symptome wie Schmerzen, Schwellungen, Instabilität und Blockaden des Kniegelenkes ein. Dies führt zu beträchtlichen Einschränkungen der Lebensqualität.

Verfahrensablauf in 3 Schritten

  1. Schritt: Entnahme einer Knorpelgewebeprobe: Der Orthopäde oder Chirurg entnimmt dem Patienten ein kleines Stück Knorpelgewebe aus einem gesunden, wenig belasteten Bereich des Gelenkes. Die Entnahme des Knorpelgewebes wird in einem ca. 30 minütigen, ambulanten, arthroskopischen Eingriff (Gelenkspiegelung) durchgeführt.
  2. Schritt: Vermehrung der Knorpelzellen: Die entnommene kleine Knorpelprobe wird aus der Gewebeprobe isoliert und unter sterilen Bedingungen außerhalb des Körpers zwei bis drei Wochen vermehrt. Die Vermehrung erfolgt unter strenger Aufsicht der Gesundheitsbehörde, da es sich bei der autologen Knorpelzelltransplantation um ein Arzneimittel handelt.
  3. Schritt: Transplantation der Knorpelzellen: Dieser Eingriff erfolgt durch eine Operation am offenen Gelenk. Das geschädigte Knorpelgewebe des Defektes wird entfernt. Über einen weiteren kleinen Einschnitt unter dem Knie wird ein Stück Knochenhaut entnommen und auf den Defekt wasserdicht genäht. In den entstehenden Hohlraum werden die gezüchteten Knorpelzellen injiziert.

Nicht bei allgemeiner Arthrose

Die wesentlichste Einschränkung der Methode ist, dass sie nur funktioniert, wenn rund um den Defekt gesunder Knorpel ist, also keine allgemeine Arthrose besteht. Auch darf der Patient oder die Patientin weder ein X- noch ein O-Bein haben. Um den Heilungsprozess nicht zu gefährden, muss das Bein während rund 6 Wochen entlastet werden. Ob sich die Methode bewährt und tatsächlich neuer, robuster Knorpel nachwächst, wird etwa 3-4 Monaten nach der Operation zeigen.

Quelle: Gesundheitsmagazin Puls

Autologer Knorpel aus der Körperfabrik macht kranke Knie wieder fit

Ein Bericht der Medical Tribune

"Die autologe Knorpelzelltransplantation ist ein neues Therapieverfahren aus dem Bereich des Tissue-Engineerings. Körpereigene Knorpelzellen werden in Gewebekulturen gezüchtet und nach ihrer Vermehrung zur Versorgung begrenzter Gelenkknorpeldefekte eingesetzt.

Nach einem Trauma hat der Gelenkknorpel beim Erwachsenen nur eine äußerst geringe intrinsische Kapazität zur Selbstheilung. Bei Knorpeldefekten wird – wenn überhaupt – nur ein faseriges Ersatzgewebe gebildet. Über kurz oder lang stellt sich eine Arthrose ein. Diese isolierten Knorpeldefekte unterscheiden sich grundsätzlich von den alterungsbedingten, flächenhaften Verschleißerscheinungen, denn der umliegende Knorpel bleibt intakt. Im weiteren Verlauf kommt es aber zu vorzeitigem Gelenkverschleiß mit Funktionsverlust. Besonders häufig betroffen sind Sportler. Hier verspricht die autologe Knorpelzellverpflanzung, die dem Bereich des Tissue-Engineerings entspringt, Hilfe. Das Verfahren wurde 1987 von Professor Dr. Lars Petersen, Göteborg, erstmals beschrieben und wird in Deutschland routinemäßig von Professor Dr. Joachim Grifka an der Orthopädischen Universitätsklinik Regensburg durchgeführt.

Nur für lokal begrenzte Defekte Ziel der autologen Chondrozytentransplantation, die vor allem am Kniegelenk angewandt wird, ist der Wiederaufbau isolierter Gelenkknorpeldefekte. Durch extrakorporal vermehrte, körpereigene Zellen wird hyaliner Knorpel gewonnen, der die gleichen biomechanischen und histologischen Eigenschaften besitzt wie der ursprüngliche Gelenkknorpel. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Transplantation ist, dass es sich um einen lokal begrenzten Defekt handelt, in dessen Randbereichen noch intaktes Gewebe für die Zellkultur zu finden ist.

Die Behandlung erfolgt dann in drei Schritten:

Postoperativ wird das Kniegelenk deshalb während der ersten 48 Stunden in Streckstellung fixiert. Die transplantierten Chondrozyten unterliegen einem Reifungsprozess, der eine schrittweise Steigerung der Belastung in den folgenden sechs Wochen zulässt. In diesem Zeitraum ist eine Teilbelastung unter Verwendung von Unterarmstützen zu empfehlen.

Bereits sechs bis acht Wochen nach dem Eingriff ist die Läsion – je nach Größe und Ausmaß – wieder mit Knorpel aufgefüllt. Nach drei Monaten ist das Gelenk wieder belastbar, und nach etwa einem Jahr hat der hyalinähnliche Knorpel die volle Festigkeit erreicht. Das neue Gewebe ist identisch und ebenso vital wie das umliegende. Die Patienten dürfen wieder Sport treiben, sogar Risikosportarten sind erlaubt. Sehr gute bis gute Ergebnisse zeigen 92 % der Patienten mit durchschnittlich 4,4 cm2 großen isolierten Gelenkknorpeldefekten und 86 % der Patienten mit Osteochondrosis dissecans.

Knorpelzüchtung ist teuer Die klinischen Ergebnisse werden nach verschiedenen internationalen Score-Systemen ausgewertet. Die Charakterisierung des regenerierten Knorpelgewebes erfolgt durch Kernspintomographien, Nach-Arthroskopien sowie durch histologische und immunhistologische Untersuchungen.

Langzeiterfahrungen erwartet man nach Abschluss der EURACT-Studie, die Prof. Grifka leitet. Der größte Nachteil der Methode liegt in den nicht unerheblichen Kosten für die beiden Eingriffe und die aufwendige extrakorporale Züchtung der Knorpelzellen. Die Gesamtkosten, so Prof. Grifka, erreichen je nach Verweildauer im Krankenhaus und Abteilungspflegesatz bis zu 20 000 DM. In aller Regel werden sie von den Krankenkassen übernommen. Demgegenüber stehen die Kosten für die Behandlung der Arthrosebeschwerden und die Folgekosten samt vorzeitiger Berentung."


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