Ottobeuren Cup 2001


Bericht 2. Internationale Schwäbische Meisterschaften

Damaris Knorr und Maxim Petrenko siegten!

Am 7. April 2001 war es wieder soweit: es ging in die 2. Runde der Internationalen Schwäbischen Meisterschaften.

Als Erstes erhaltet Ihr von uns zur Einführung das nette Statement von Organisator Erwin Marz:

"Nach 5 harten Arbeitstagen haben wir es jetzt geschafft!!! Es wurden ca. an die 2000 Griffen geschraubt und geputzt! Es hat sich aber gelohnt. Der Wettkampf ist super gut gelungen, wie auch bei der Fernsehübertragung gesehen werden konnte. Auch eine beachtliche Anzahl an Presse war vor Ort. Zur Party: Die Party war schon während des Wettkampfes!!! Als das Klettern vorbei war, ging es dann erst einmal auf die Spaghetti los. Danach hat man sich gut und angeregt unterhalten und ausgetauscht mit neuesten Infos usw.. Es war jetzt eher ein kultiges Event. Die Leute waren sehr zufrieden und ich denke, nächstes Jahr gehts dann auch länger wie bis 02.00 Uhr!!!"

Zum Ort des Geschehens:

Die Anlage "Sportwelt-Ottobeuren" gilt als die derzeit größte Kletterhalle in Schwaben. Kletter- und Boulderbereich ergeben zusammen an die 900 qm. Kletterfläche, wobei eine maximale Kletterlänge von 30 m. erzielt werden kann. Für die Zuschauer gibt es einen extra Bereich von ca. 75 qm, um die zahlreichen Events gut mitverfolgen zu können.

Zum Wettkampf:

Ein Anreiz für die Athleten war sicherlich auch das außerordentlich hohe Preisgeld, das für diesen Cup ausgeschrieben war, und das dem der offiziellen UIAA-Wettkämpfe in nichts nachstand. Ganze 1200 DM für den Erstplazierten, 800 DM für den zweiten Platz und 400 DM für den Dritten. Auch die weiteren 4 Ränge wurden mit hochwertigen Sachpreisen ausgestattet

Zum Bericht von Martin Joisten:

Knapp, knapper, Ottobeuren - unter dieses Motto könnte man zumindest die Herrenkonkurrenz der diesjährigen Internationalen Schwäbischen Meisterschaften stellen, die am 07.04. ausgetragen wurden. Im Finale zählten wirklich nur Nuancen, um die fast gleichwertigen Kletterer auf die Ränge 1 bis 3 zu verteilen - fangen wir aber am Anfang an.

Wie schon im vergangenen Jahr so gelang es Veranstalter Erwin Marz auch heuer in der Sportwelt Ottobeuren eine illustre Schar an Wettkämpfern und eine beachtliche Menge an Zuschauern anzuziehen. Zu Recht, denn was bei dieser Eintagesveranstaltung geboten wurde, war Wettkampfklettern im High End Bereich.

Es galt 23 Herren und 9 Damen aus 4 Ländern auf ihre Fähigkeiten hin abzuklopfen. Zudem war die Qualität des männlichen Starterfeldes sehr exquisit, erschienen doch mit dem Ukrainer Maxim Petrenko und den Gebrüdern Bindhammer die Nummern 5, 11 und 12 der aktuellen Weltrangliste, sowie mit Florian Hage die Nummer 3 der deutschen Rangliste - jener Florian Hage, der die diesjährige Auftaktveranstaltung zum Deutschlandcup für sich hatte entscheiden können. Viel zu tun also für den Routenbauer Christoph Bucher, der einmal mehr seine Klasse unter Beweis stellte und stets die richtige Kombination aus komplexen Bewegungsabläufen und roher Gewalt kreierte.

Energie konnten alle Teilnehmer in der vorbildlich ausgestatteten Isolation tanken, doch auch die besten Voraussetzungen halfen manchen Teilnehmern nicht, die erste Runde zu überstehen. So trennte sich Spreu bei den Herren schon in der Qualifikation. Von den 23 Herren stiegen gerade mal 7 das Viertelfinale durch, während bei den Damen 6 der 9 Klettererinnen keine Probleme mit ihrer Aufgabe hatten.

In der Umbaupause gab es allerdings eine Schrecksekunde. Routenbauer Christoph Bucher paßte einen Moment lang nicht auf, knickte bei einem Sprung aus geringer Höhe mit dem linken Fuß um und krümmte sich vor Schmerzen. Man befürchtete schon das Schlimmste und verständigte einen Krankenwagen, doch Christoph erholte sich zusehends. Er ließ sich nicht zu einer Fahrt ins Krankenhaus überreden und schraubte humpelnd weiter seine Routen. Es wäre ein herber Verlust für diesen Wettkampf gewesen...

Das anstehende Halbfinale der Herren wartete mit einer satten 8a auf - dennoch gab es durch Maxim Petrenko und den souverän auftrumpfenden Florian Hage zwei Top-Begehungen und durch die Gebrüder Bindhammer zweimal touchierte Ausstiegsgriffe.

Wer wollte für den Ausgang des Wettkampfs eine Prognose stellen? Ich hörte nur eine "sichere" Stimme und diese stammte von Ulrich Theinert, dem Besitzer der Sportalm Scheidegg. Er prognostizierte den Sieg von Maxim Petrenko und gewann dadurch ein Bier von mir ;-)

Es wurde ein extrem spannendes Herren-Finale, das so ganz nach dem Geschmack des zahlreich vorhandenen Publikums war. Andreas Bindhammer stürzte leider unerwartet früh, nachdem er einen Untergriffzug nicht konsequent genug vorbereitet hatte, während Christian Bindhammer, Florian Hage und Maxim Petrenko alle am gleichen Griff stürzten. Allerdings hatte Maxim als einziger diesen Griff "regelkonform" erreicht. Er hatte den Quergangshaken geklinkt und anschließend den fraglichen Griff berührt.

Christian Bindhammer hatte den Haken zwar auch geklinkt und anschließend den Griff berührt - zuvor jedoch die Expresschlinge belastet - wurde also tiefer bewertet. Florian Hage hingegen hatte den Haken nicht geklinkt, den Griff zwar auch noch berührt, sich dadurch aber in einer nicht mehr legitimen Position befunden und wurde somit mit der gleichen Höhe wie Christian Bindhammer gewertet. Da aber Florian im Gegensatz zu Christian das Halbfinale TOP geklettert hatte, entschied hier das bessere Ergebnis in der Vorrunde. Eine ganz schön verzwickte Sache also...

Bei den Damen hingegen war der Wettkampf schon fast vor Beginn der Qualifikation entschieden. Sowohl Katrin Sedlmayer als auch Marietta Uhden glänzten leider durch Abwesenheit, was eindeutig für einen klaren Sieg von Damaris Knorr sprach.

Man möge mir diese Deutlichkeit verzeihen, aber auch dieser Wettkampf zeigte wieder, daß Damaris nun mal zu Deutschlands führenden Klettererinnen zählt und auch eine Eva Nieselt nichts dagegen tun kann. Eva kletterte souverän - keine Frage, aber stürzte an derselben Stelle wie die extrem junge und talentierte Tanja Mair in Seil. Wie bei den Herren bescherte Eva das bessere Vorrundenergebnis den zweiten Platz vor Tanja, während Damaris als einzige Klettererin die Finalroute TOP klettern konnte, wie schon die beiden anderen Routen zuvor. Eine wirklich tolle Leistung - Gratulation!

Wer hat mir sonst noch gut gefallen? Bei den Herren sicherlich der Österreicher Jürgen Reis durch seinen eleganten Kletterstil, Christian Benk durch seine effektive Art der Fortbewegung, Thomas Hamm, der die Routen nach oben fällt und immer wieder kleben bleibt und sicherlich "Local Hero" Stefan Kern, der sogar bis ins Finale vordrang.

Positiv bei den Damen ist mir noch Anja Ackermann aufgefallen, die sich nach einer kleinen Wettkampfpause eindrucksvoll zurückmeldete und Katharina Mensch, die zwar aufpassen muß, daß sie beim Klettern nicht mal Ihren Kaugummi verschluckt, aber ansonsten eine schöne Performance ablieferte. Dranbleiben Mädel!

Die 2. Internationalen Schwäbischen Meisterschaften endeten wie schon im letzten Jahr mit begeisterten Zuschauern, hinterließen einen sicherlich glücklichen Erwin Marz als Veranstalter und einen freudig erregten Ukrainer Maxim Petrenko, der sich in seiner kleinen Dankesrede überwältigt von der Stimmung in Ottobeuren zeigte. Teil 3 der Internationalen Schwäbischen Meisterschaften ist jedenfalls gesichert.

Martin Joisten

P.S.: Die Herren-Finalroute wartet übrigens noch immer auf eine Erstbegehung - sie bleibt bis auf weiteres in Ottobeuren erhalten ;-)

Vollständige Ergebnisliste bei Martin persönlich

Gesamtergebnis Damen - die ersten 9 Plätze

  1. Knorr Damaris
  2. Nieselt Eva
  3. Mair Tanja
  4. Ackermann Anja
  5. Mensch Katharina
  6. Schöffl Melanie
  7. Grünenfelder Sundari
  8. Maulhardt Jutta
  9. Hamm Carmen

Gesamtergebnis Herren - die ersten 9 Plätze

  1. Petrenko Maxim
  2. Hage Florian
  3. Bindhammer Christian
  4. Bindhammer Andreas
  5. Reis Jürgen
  6. Benk Christian
  7. Hamm Thomas
  8. Kern Stefan
  9. Gartmann Tobias