von Nils Schützenberger
Nachdem sich im letzten Jahr Mitte Dezember etliche Teilnehmer bei eisigen Temperaturen einen „gscheidn Katarr" (norddt: Grippe) eingefangen
hatten, spielte die Augsburger Wettkampfcrew dieses Mal ganz bewusst schon im September auf. Das milde Spätsommerwetter zog über 100 Wettkampfkletterer auf das Gelände der DAV-Halle im Sportcenter Augsburg-Süd. Damit stand beim Start um 10.30 Uhr bereits fest: neuer
Teilnehmerrekord – lockere Spasswettkämpfe sind weiterhin „in".
Wer dabei war, blieb in den 6 Stunden der Vorrunde eigentlich ständig unter Strom, denn um ins Finale zu kommen, musste man alle Boulder und Stationen durchorgeln und das waren nicht wenige. 45 raffinierte und phantasievolle Boulder warteten auf ihre Bezwinger. Darunter einer, dessen Top sich sinnigerweise kurz über dem Boden befand und daher, sehr zur Freude mancher Zuschauer, nur aus einer kopfüber an den Füssen hängenden Position zu erreichen war. Darüberhinaus gab es einige ganz ungewöhnliche Stationen: ein halbes Dutzend an einem Strick hintereinander aufgehängte Autoreifen musste erklommen werden, ein High Jump an eine Glocke war ebenso Pflicht, wie Einradfahren (wahlweise Snakeboard oder ein ähnlich wackeliges Fahrgerät), Bierglaskegeln, Pyramidenwerfen, etc.. Selbstverständlich wiesen auch alle letztgenannten Stationen eine ordentliche Zonen-, Flash- und Topbewertung auf (was sonst?).
Abgerundet wurde der Wettkampf durch jeweils 2 Vorstiegsrouten je Wertungsklasse (bei den Kindern eine davon im Toprope). Die Routen waren dieses Jahr bewusst leichter angesetzt worden. Dennoch tropften einige gute Kletterer noch vor dem Top ab. Als am frühen Abend mit der
Kuhglocke des High Jumps zum Finale geläutet wurde, dominierten die zahlenmässig sehr stark vertretenen Kader der DAV-Sektionen Oberland, Regensburg und Augsburg. Kein Wunder, die Kids vom Kletterteam Oberland waren sogar mit einem eigenen Reisebus in Augsburg eingefallen.
Im Kinderfinale bewies die bereits bekannte Theresa Woll (Augsburg), dass mit ihr in den nächsten Jahren auf Landes- und Bundesebene zu rechnen ist. Nach dem dritten Versuch knackte sie den Boulder top und musste sich dann nur noch dem enorm starken Lukas Bolesch (Bayerland)
geschlagen geben. Platz drei belegte Markus Herrdieckerhoff (Oberland)
Weil im letzten Jahr eine Reihe sehr starker Mädels im Finale beeindruckten, bot dieses Jahr Schrauber Michi Kies ein ziemliches Brett. Dementsprechend schwer taten sich die Aspirantinnen. Die meisten arbeiteten sich an den ersten vier Griffen ziemlich auf. Schließlich beanspruchte Nicole Greiner (Augsburg) Platz 2 für sich, knapp gefolgt von Antonia Tauscheck (Oberland). Als einzige brillierte Monika Retschy (Oberland) im Finale der weiblichen Jugend. Sie zog schon im ersten Versuch drei Viertel des Boulders und nahm sich damit verdient den ersten Platz.
Auch bei den Damen machte der Start etwas Schwierigkeiten, letztendlich dominierte wie erwartet Manuela Heisele (Augsburg). Obwohl gar nicht so recht in Form, zauberte sie einen Durchgang im Flash bis zum vorletzten Griff und erntete tosenden Applaus für ihre Bestleistung. Platz zwei und drei gingen an Steffi Nathar (Peißenberg) und Alexandra Peter aus Regensburg.
Das Finale der männlichen Jugend startete ähnlich zäh wie das der Mädels. Die Kandidaten zogen sich vergeblich an den ersten Griffen die Arme lang, obwohl das Schiedsgericht ein Einsehen hatte und noch flugs einen besseren Starttritt dazuschraubte. Erst als die beiden jungen Oberländer Simon Lang (Platz 3) und Kilian Kastner (Platz 2) zeigten, wo`s lang geht und den Boulder bis zur Hälfte flashten, war wieder volle Begeisterung beim Publikum zu spüren. Am Schluss machte Simon Unger (Augsburg) klar, dass er ein bisschen mehr Erfahrung hat und errang souverän den
ersten Platz.
Für das Finale der Herren der Schöpfung hatten sich die Schiedsrichter ein besonderes Schmankerl einfallen lassen. Der Boulder startete erst steil-schräg nach oben, um dann mit einem Längenzug plötzlich nach unten an einen waagrechten Zangengriff zu führen. Wer den nicht halten und zum nächsten Griff weiterziehen konnte, dem eröffnete sich eine extravagante Gelegenheit: Ein Sprung direkt in das unter dem Zangengriff befindliche, mit
eiskaltem Wasser gefüllte Planschbecken, auf gut deutsch: eine A…bombe versenken. Verständlich, dass kein einziger der männlichen Finalisten sich dazu berufen fühlte, sich eine derartige Blösse zu geben. Dementsprechend stellte sich bei denen, die bis in den Landebereich Planschbecken vordrangen, zwangsläufig die Fragedavor kneifen oder danach. Den meisten gelang mit überwiegend nur einem nassen Fuss der Absprung davor - lautstarke Buhrufe zeigten die berechtigte Enttäuschung des Publikums. Maxi Wörner, heute in Topform, bot dafür zum Ausgleich einen astreinen Durchgang bis zum Zielgriff und setzte sich damit unschlagbar aufs oberste Treppchen. Alleine Julian Gritsch (Regensburg) konnte mit seiner ganz persönlichen Bestleistung das Pulikum noch zu weiteren Ovationen begeistern. Todesmutig liess er sich bis zum Zangengriff ab und …. landete in Zeitlupe mit Haltungsnote eins einen Volltreffer. Matthias Maier sicherte sich vergleichsweise trocken den 3. Platz.
Die Augsburger Meisterschaft wäre nicht die Augsburger Meisterschaft, wenn nicht zu guter letzt auch noch die Organisatoren deutlich Flagge gezeigt hätten. Einer der Hauptverantwortlichen für die Finalplantscherei war erklärtermassen Ferdinand „Ferdl" Triller. Zum Dank für sein Engagement wurde Ferdl mit aktiver Hilfestellung der männlichen Finalteilnehmer aus dem Publikum gezerrt und zur Durchführung eines fulminanten Bauchplatschers in das kühle Nass „überzeugt" . Die anschliessende Wasserschlacht unter Teilnahme vieler Anwesender liess den Abend wohltuend ausklingen. Erst spät (21.30 Uhr) wurde nach Auftritt eines Feuerspuckers zum Aufbruch geblasen. Viele, die müde und abgekämpft, aber glücklich, den Ort des Geschehens verliessen, waren sich einig, dass dieser Tag in Augsburg (wieder mal) ein ganz Grosser war.