Die deutschen Favoriten der Weltmeisterschaft Klettern 2005 stellen sich vor


Vom 1. bis zum 5. Juli ist München Austragungsort der Weltmeisterschaft Klettern 2005. Internationaler Charakter und Kletterkunst auf höchstem Niveau: Die WM in München ist der Höhepunkt des internationalen Sportkletterns in Deutschland. Insgesamt werden etwa 300 Teilnehmer aus über 40 Nationen erwartet, darunter auch deutsche Top-Kletterer der Sportszene. An fünf Wettkampftagen fallen Entscheidungen in den drei Disziplinen Bouldern, Speedklettern und Schwierigkeitsklettern. Das größte und wichtigste Ereignis der Kletterszene findet alle zwei Jahre statt, in Deutschland zum letzten Mal 1991.

Das deutsche Aufgebot für die Weltmeisterschaft Klettern steht. Vom 1. bis 5. Juli 2005 treten die deutschen Favoriten in ihren Disziplinen für den 
Deutschen Alpenverein (DAV) gegen die internationale Sportelite an. Das Team um Bundestrainer Christoph Finkel steht in den Startlöchern und ist hoch motiviert.

Der DAV hat die einzelnen Kletterer zu ihrem Sport und der WM befragt und exemplarisch drei Interviews der Teilnehmer ausgewählt. Lisa Knoche (16), Speedklettern, Daniel Jung (21) und Andreas Bindhammer (32), beide Sportklettern, berichten von ihren Erfahrungen mit dem Klettern, ihren Zielen, Erfolgen und anderen Themen rund um ihren Sport. Die Interviews mit den weiteren deutschen WM-Teilnehmern stehen auf www.wm-klettern.de. (Pressekontakt:Roth & Lorenz GmbH, Agentur für Marketingkommunikation)

Lisa Knoche

Das deutsche Küken unter den WM-Teilnehmern wurde am 20.06.1988 geboren und trainiert beim DAV Freising. Vor kurzem hat sie für ihre Leistungen einen Förderpreis der SZ-„Talentiade" gewonnen und startet als Deutsche Meisterin bei der WM in der Disziplin Speedklettern.

1. Wann hast du mit dem Klettern angefangen und wie bist Du zu dieser Sportart gekommen?
Als ich mit acht Jahren in einer DAV-Jugendgruppe in Freising mit dem Klettern in Kontakt kam, hatte ich schon ein paar Jahre intensives Turnen hinter mir. Dadurch ging es mit dem Klettern schnell bergauf. Das hat mich dann so begeistert, dass ich bald ganz vom Turnen zum Klettern gewechselt bin und mit elf Jahren meinen ersten regionalen Schülerwettkampf im Klettern bestritten habe.

2. Als Sportkletterer muss man bis in den kleinsten Muskel trainiert sein. Was tust Du, um fit zu bleiben?
Im Trainingsplan sind Technik-, Kraft- und Ausdauertraining aufeinander abgestimmt: Die Hauptsache ist natürlich das Klettern. In der wettkampffreien Zeit im Winter kommen intensive Kraftübungen an Geräten hinzu.

3. Bis zur Weltmeisterschaft sind es noch sieben Wochen. Wie bereitest Du Dich noch darauf vor?
In den nächsten Wochen werde ich vor allem Ausdauer trainieren. Allerdings finden in dieser Zeit noch so viele Wettkämpfe und Lehrgänge statt, dass ich darauf achten muss, bei der WM erholt zu sein.

4. Was waren für Dich Deine größten Erfolge beim Klettern?
Aus sportlicher Sicht waren der sechste Platz auf der Jugendweltmeisterschaft in Edinburgh 2004 und der vierte Platz auf dem Jugendeuropacup in Imst letztes Jahr die größten Erfolge. Der Sieg auf der deutschen Speedmeisterschaft 2004 zählt sicherlich auch dazu. Besonderen Spaß hat der Doppelsieg bei den Damen und in der Jugend A im letzten Deutschlandcup gemacht, weil die Stimmung so toll war.

5. Welche Ziele hast Du beim Klettern? Was möchtest Du in Deinem Sport erreichen?
Ich möchte besser werden! Dieses Jahr will ich international in der Jugend noch weiter nach vorne klettern als letztes Jahr, obwohl das in meiner Altersgruppe sehr schwierig werden wird. Sie ist in den internationalen Wettkämpfen extrem gut besetzt.

6. Was macht einen guten Kletterer aus?
Er darf keine Schwachstellen haben und muss vielseitig sein. Er muss gut bouldern und auch Routen klettern können, sowohl draußen als auch in der Halle unterwegs sein. Aber vor allem darf er den Spaß an der Sache nicht verloren haben. Begeisterung gehört einfach dazu.

7. Welche Vorteile bringt Dir das Klettern im Alltag? 
Durch das Klettern lernt man Dinge zu schaffen, die man nicht für möglich gehalten hätte – Probleme lösen macht Spaß. Und dann gibt es noch andere Seiten: Ich komme weit herum, sehe viele andere Gegenden, bekomme viele internationale Kontakte und habe in den Ferien immer etwas vor!

8. Stell Dir vor, Du würdest nicht Klettern – welche Sportart wäre es dann für Dich geworden?
Keine Ahnung…

9. Was machst Du wenn Du nicht kletterst – hast Du noch andere Hobbies?
Ich treibe insgesamt sehr viel Sport. Im Winter gehe ich zum Beispiel gerne Skifahren; wenn im Sommer Zeit bleibt, fahre ich gerne Mountainbike. Ansonsten lese ich sehr gerne und mache dieselben Dinge wie die meisten in meinem Alter. 

10. An was denkst Du, wenn Du in der Wand hängst?
Da gibt es nicht viel Zeit zum Denken! Wenn ich draußen am Fels in einer Schlüsselstelle weit über der letzten Sicherung hänge, kommt vielleicht der Gedanke, wie tief ich wohl fallen würde, falls ich bei den nächsten Bewegungen stürze…

11. Hast Du bestimmte Rituale bevor Du in die Wand steigst?
Ich überprüfe vor dem Einstieg immer den Knoten, mit dem ich mich in das Seil eingebunden habe. Außerdem vergewissere ich mich, dass mich jemand sichert. (Anmerkung der Redaktion: grins)

12. Hast Du Dich beim Klettern schon Mal schwer verletzt? Ändert dieses Erlebnis Deine Einstellung zum Klettern?
Nein, noch nie!

13. Was ist Dein „höchstes" Ziel?
Mein nächstes größeres Ziel ist ein gutes Abitur.

14. Wo macht ein Kletterer Urlaub?
ER fährt dorthin, wo er – abenteuerhungrig und halbnackt – im Sonnenuntergang an endlos hohen Felswänden hangeln kann. ICH fahre gerne in eine Gegend, in der ich Klettern und Sightseeing verbinden kann.

Daniel Jung

Geboren am 16.11.1983, trainiert er in der Sektion Siegerland und hat sich schon durch den Deutschen Meistertitel 2004 für die Weltmeisterschaft Klettern qualifiziert.

1. Wann hast du mit dem Klettern angefangen und wie bist Du zu dieser Sportart gekommen?
1992 war ich mit meinen Eltern auf einer Messe, wo eine Kletterwand rumstand, an der ich zum ersten Mal geklettert bin. Leider gab es bei uns in Siegen keine Möglichkeit zu klettern. 1997 habe ich dann erfahren, dass die Jugendgruppe des DAV Sektion Siegerland mittlerweile eine Kletterwand hatte. Ende 1998 bin ich dann dort regelmäßig klettern gewesen. Mein Bruder Markus hat 1998 auch angefangen zu klettern. Seitdem gehe ich mit ihm immer in den Ferien am Fels klettern.

2. Als Sportkletterer muss man bis in den kleinsten Muskel trainiert sein. Was tust Du, um fit zu bleiben?
Ich trainiere meine Ausdauer im Kletterzentrum Chimpanzodrome in Frechen/ Köln. Meine Maximalkraft kann ich super bei mir zuhause an meiner eigenen kleinen Wand trainieren. Ansonsten klettere ich gerne und viel in der Natur. Das ist super, um Bewegungserfahrungen zu sammeln und man bekommt auch Ausdauer und Maximalkraft

3. Bis zur Weltmeisterschaft sind es noch sieben Wochen. Wie bereitest Du Dich noch darauf vor?
Einfach gut und viel klettern!

4. Was waren für Dich Deine größten Erfolge beim Klettern?
Wettkampf:
Deutscher Meister 2004
Bouldercup 2002: 2. Platz

Fels:
Le cadre 8c, Ceüse
Resistance 8c, Schleier Wasserfall


5. Welche Ziele hast Du beim Klettern? Was möchtest Du in Deinem Sport erreichen?
Eigentlich will ich nichts Bestimmtes erreichen. Ein paar gute Platzierungen bei Wettkämpfen wären ganz schön. Ich möchte einfach viel und gut klettern. Cool wäre, wenn ich Zeit zum Reisen in viele Klettergebiete hätte. 

6. Was macht einen guten Kletterer aus?
Ein gutes Körpergewicht-Kraft-Verhältnis und viel Bewegungserfahrung. Ein guter Kletterer braucht in komplizierten Situationen nicht zu überlegen, wie er das Kletterproblem lösen soll – er muss wissen wie' s geht! 

7. Welche Vorteile bringt Dir das Klettern im Alltag? 
Ich weiß was mit meiner Freizeit anzufangen!

8. Stell Dir vor, Du würdest nicht Klettern – welche Sportart wäre es dann für Dich geworden?
Wahrscheinlich wäre ich beim Skaten geblieben oder würde mehr Mountainbike fahren.

9. Was machst Du wenn Du nicht kletterst – hast Du noch andere Hobbies?
Mountainbike fahren, Musik hören und sonstige lustige Sachen machen.

10. An was denkst Du, wenn Du in der Wand hängst?
Ich bin voll konzentriert beim Klettern 

11. Hast Du bestimmte Rituale bevor Du in die Wand steigst?
Beim Wettkampf gehe ich ruhig und konzentriert an die Sache ran. Vor einer schweren Route am Fels, die ich vorher schon ausgecheckt habe, gehe ich alle Bewegungen im Kopf durch. 

12. Hast Du Dich beim Klettern schon Mal schwer verletzt? Ändert dieses Erlebnis Deine Einstellung zum Klettern?

Nein, noch keine schweren Verletzungen gehabt.

13. Was ist Dein „höchstes" Ziel?
Mich nicht zu verletzen und Spaß haben! 

14. Wo macht ein Kletterer Urlaub?
Da wo es schöne Felsen gibt! Klettern in der Natur ist Urlaub! 

15. Klettern ist ein Sport für abenteuerhungrige Männer, die im Sonnenuntergang halbnackt, an endlos hohen Felswänden hangeln. Was hältst Du von diesem Klischee?
Kann schon sein, dass viele Leute so denken. Es klettern aber auch viele Frauen und es ist in jedem Alter machbar. Ich klettere aber nicht, weil ich abenteuerhungrig bin, sondern hauptsächlich weil ich Spaß an den Bewegungen habe, mich an meinem Limit zu bewegen und meine Leistungsgrenze zu pushen. Teilweise bin ich aber vielleicht auch ein wenig abenteuerhungrig. 

Andreas Bindhammer

Am 16.04.1973 in Landshut geboren, klettert er seit zwölf Jahren in der IG Klettern (München) des DAV. 

1. Wann hast du mit dem Klettern angefangen und wie bist Du zu dieser Sportart gekommen?
In unserer Kindheit haben wir (mein Bruder und ich) mit unseren Eltern meistens Urlaub im Gebirge gemacht. Unser Vater war damals öfter in alpinen Routen unterwegs und nahm uns ab und zu mit auf Klettersteige. Als Jugendlicher durfte ich dann ab und zu mit. Um meine Kletterfähigkeiten zu verbessern, ging ich später immer öfter zum Sportklettern. Von da an war's nicht mehr weit zu den Wettkämpfen…

2. Als Sportkletterer muss man bis in den kleinsten Muskel trainiert sein. Was tust Du, um fit zu bleiben?
Regelmäßiges Training ist Voraussetzung. Der Schlüssel ist, an seinen Schwächen zu arbeiten.

3. Bis zur Weltmeisterschaft sind es noch sieben Wochen. Wie bereitest Du Dich noch darauf vor?
Ich werde versuchen, meine Maximalkraftausdauer zu verbessern und zwischen Indoor- und Outdoortraining zu wechseln, um meine Vielseitigkeit im Hinblick auf unerwartete Situationen zu verbessern. Das heißt, mein Klettern soll intuitiver werden.

4. Was waren für Dich Deine größten Erfolge beim Klettern?
Mein Weltcupsieg und der dritte Platz im Gesamtweltcup 1999. Der Sieg beim Goldfinger Masters 2001Der Hattrick beim Deutschlandcup von 2002-2004

5. Welche Ziele hast Du beim Klettern? Was möchtest Du in Deinem Sport erreichen?
Ich würde gerne mithelfen, den Sport in den Medien besser zu präsentieren und die einen oder anderen Siege bei einem großen internationalen Event holen.

6. Was macht einen guten Kletterer aus?
Die Vielseitigkeit: Sich am Fels genauso wohl zu fühlen, wie an der Kunstwand; gute Leistungen sowohl beim Bouldern als auch beim Schwierigkeitsklettern – das zeichnet meiner Meinung nach einen guten Kletterer aus.

7. Welche Vorteile bringt Dir das Klettern im Alltag?
Man lernt, sich durchzubeißen, auch wenn's manchmal aussichtslos erscheint, Situationen zu analysieren und sich einen Plan für die Lösung bereitzulegen. Man ist einfach belastbarer und gibt nicht so leicht auf.

8. Stell Dir vor, Du würdest nicht Klettern – welche Sportart wäre es dann für Dich geworden?
Wahrscheinlich würde ich Skitouren-Wettkämpfe machen oder Snowboarden… Vielleicht aber auch Rallye fahren…

9. Was machst Du wenn Du nicht kletterst – hast Du noch andere Hobbies?

Ich komme neben der Arbeit nicht mehr zu vielen Hobbies. Snowbarden vielleicht und … Autofahren.

10. An was denkst Du, wenn Du in der Wand hängst?
Nur an die Züge, die noch vor mir liegen…

11. Hast Du bestimmte Rituale bevor Du in die Wand steigst?
Ich klettere die Route im Geiste durch, soweit das möglich ist…

12. Hast Du Dich beim Klettern schon Mal schwer verletzt? Ändert dieses Erlebnis Deine Einstellung zum Klettern?

Ich hatte bisher noch keine gravierenden Verletzungen.

13. Was ist Dein „höchstes" Ziel?
Die schwersten Routen der Welt zu wiederholen und die schwerste als erster zu begehen…Ansonsten gibt es durchaus noch Ziele außerhalb des Klettersports….

14. Wo macht ein Kletterer Urlaub?
In oder nahe an Klettergebieten – um nicht außer Form zu kommen.

15. Klettern ist ein Sport für abenteuerhungrige Männer, die im Sonnenuntergang halbnackt, an endlos hohen Felswänden hangeln. Was hältst Du von diesem Klischee?
Stimmt genau… ;-)