Bei der 4. Münchner Meisterschaft ist der Bär los


Text: Nils Schützenberger 
Photos: Marco Wolf, Gerda Deubzer, Birgit Retschy, Reinhard Lang,


Allen schwarzsehenden Auguren zum Trotz vermeldet die Münchener Stadtmeisterschaft zum 4 Mal in Folge einen neuen Teilnehmerrekord. 233 Kinder, Jugendliche und Erwachsene kletterten am 20.05. im Münchner Kletterzentrum in Thalkirchen im orangen Wettkampf-T-Shirt um die Wette. Der Boom im Spasswettkampf hält unvermindert an.

Viele Teilnehmer, Organisatoren und Helfer fieberten dem großen Münchner Kletterereignis schon seit Wochen entgegen. Die schlechte Wettervorhersage reizt zu der Spekulation, wie viele Teilnehmer wohl tatsächlich gekommen wären, wenn kein Regen angesagt worden wäre. Wäre, würde, hätte sind alles Unsicherheiten, die sich echte Wettkampfkletterer nicht leisten können. Entscheidend bei der Endwertung ist immer die Frage: „Geschafft – oder – nicht geschafft“. Dieses Motto bestimmte auch dieses Jahr die größte bundesdeutsche Veranstaltung dieser Art. 

Zusätzlich schraubten die Organisatoren die Stellschraube Schwierigkeit ein wenig höher (etwa 10 Qualiboulder checkten zwischen 6c und 7c fb ein) und schoben die Latte bezüglich der Anzahl der Boulder (50) etwas hinunter. Das Ergebnis: ein deutlich höheres Niveau, was die Anforderungen der Boulder betrifft und z.T. schwerere Routen. Insgesamt sind die Routen wieder etwas aufgewertet und On Sight - Begehungen der Boulder erbringen doppelte Punktzahl. Eine klare Ansage, dass es etwas mehr in Richtung professionelle Wettkämpfe gehen soll.

Auf der anderen Seite zeigt sich dieser Amateurwettkampf aber auch von einer liebenswert kinderfreundlichen Seite. Nicht nur, dass 20 zusätzliche Boulder nur für Kinder und deren Reichweite angeboten werden, auch Bierkastenklettern, Speedklettern an der 20 m –Hangelleiter und eine umfassende, professionelle Betreuung der kleinen „Nachwuchskämpfer“ sprechen für sich. 96 Teilnehmer unter 13 Jahren genießen einen einmaligen Klettertag.

Ab Mittags tröpfelt es ganz leicht, was von den meisten Teilnehmern als angenehme Abkühlung empfunden wird. Der Vorrundenschluss wird durch eine kräftige Dusche kurz vor 16.00 Uhr angekündigt. Es folgt der obligatorische „High-Jump-Contest“, bei dem die langen Jungs zeigen, was sie drauf haben. Ralph Grabowsky der sich in der süddeutschen Wettkampfscene in den letzten Jahren etwas rar gemacht hatte, taucht (etwas durchnässt) wieder auf und springt mit Bruno Vacka (wer sonst?) gleich hoch. Auf Grund ihrer breiten Schultern haben die beiden später bei der Siegerehrung etwas Probleme auf dem Stockerl gemeinsam Haltung zu wahren.

In einem dramatischen Finale, ringen im Anschluss die Mädels bis 12 Jahre bei Starkregen um den Sieg. Auf Grund der nassen Matten werden die Wettkämpferinnen von berühmten 10er-Kletterern persönlich aus der Iso unter die Probleme getragen. Ein einmaliges Erlebnis für die Mädels! In einem ellenlanger Boulder mit ca. 25 Zügen kann sich Ronja Kellner aus Moosburg in der vorgegebenen Zeit von drei Minuten bis etwas über die Hälfte vorarbeiten und erkämpft sich verdient den ersten Platz, vor Sarah Schützenberger (München) und Afra Hönig aus Augsburg. 

Die Götter haben inzwischen Gefallen an der Veranstaltung gefunden und zeigen sich mit einem strahlend blauen Himmel gnädig. An derselben Monstertraverse versuchen sich die Jungs unter 12. Die Veranstaltung erlebt mit der Top- und der anschließenden Fast-Top-Begehung von Lukas Bolesch (München) und Samy Adolph (Sauerlach) einen ihrer Höhepunkte. Die Zuschauer setzen vor Begeisterung bei beiden Jungs zur „La Ola“, der Welle, an und lassen die zwei Überflieger hochleben. 

Auch die Mädchen der Jugend werden in die Traverse geschickt. Dort erklettert sich Julia Bolesch vor Julia Leuthold (beide aus München) und Nicole Greiner (Augsburg) den ersten Platz. Die anschließende Siegerehrung wird von Kletterweltstar Stefan Glowacz persönlich vorgenommen.

Die ganze Versammlung pilgert daraufhin zur anderen Wettkampfwand, die am nächsten Tag auch die Bühne für die deutsche Jugendbouldermeisterschaft abgeben soll. In einem sackharten Zickzackboulder geht die männliche Jugend an die Leistungsgrenze. In einer sehr gut nachvollziehbaren Differenzierung erringt Robin Gray (Miesbach) souverän den obersten Stockerlplatz vor Alexander Megos aus Erlangen und dem erst 12 jährigen Simon Lang aus München. Letzterer kann damit eine deutliche Steigerung gegenüber 2005 vorweisen.

Das „zarte Geschlecht“ ab 16 Jahre darf im selben Zickzackkurs sein Können unter Beweis stellen. Barbara Mittelmeier verteidigt mit einem starken 1.Versuch eindrucksvoll ihren Titel der Münchener Meisterin. Auf sie folgen mit einer klasse Leistung Birgit Weiss und Joanna (Jojo) Melle (alle drei aus München).

Last but not least sind die “Herren der Schöpfung“ am Zug. Wieder gilt es eine Monstertraverse niederzuringen. 5 der vier Finalteilnehmer sind in der südbayerischen Wettkampfscene keine Unbekannten. Arthur Korte (Freising), dem Bouldern mehr liegt wie das Routensteigen, beweist mit einem entschlossenen Angriff seinen berechtigten Anspruch auf den vordersten Rang. Nur ganz knapp danach folgen der „Münchner Meister 2004“ Bruno Vacka aus Prien und eben wieder Ralf Grabowsky (Tutzing). Julian Gritsch aus Donaustauf, erbouldert sich noch vor Ferdinand („Ferdl“) Triller aus Friedberg Platz 4. 

Allen Siegern wird von Stephan Glowacz persönlich gratuliert. Der Allroundspitzensportler lässt den erlebnisreichen Tag mit seinem erstklassigen Multivisionsvortrag „Immer am Limit“ ausklingen. 

Das abschließende Resümé ergibt zweierlei: 

1. Die neuen aufstrebenden Wettkampfstrukturen der beiden größten DAV-Sektionen München und Oberland bestätigen sich als enorm erfolgreich: alle Mitglieder der Wettkampfkader qualifizierten sich zur Finalteilnahme. Selbst aus den Sichtungsgruppen schaffen es noch zwei Teilnehmer unter die ersten drei zu gelangen. 
2. Die Österreicher, die letztes Jahr noch mit den Gebrüdern Rudigier bei den Kindern mit Platz 1 und 2 aufwarteten beschränken sich dieses Jahr auf Andreas Kronthaler, Platz 5 der Herren und Rainer Hallmann, ebenfalls Platz 5 bei der männlichen Jugend. Es wird berichtet, dass einige der fürs Finale qualifizierten deutschen Wettkämpfer merklich aufatmen, als klar wird, dass keiner aus der österreichischen Elite mit am Start ist. Ob der Einfall des wilden Bären über die österreichische Grenze nach Südbayern die Sache im österreichischen Sinne wieder gerade rücken soll, ist bisher ungeklärt geblieben.

Der Dank gilt allen Sponsoren ohne die diese gelungene Veranstaltung nicht durchführbar gewesen wäre: Sport Schuster, Sixtus, Sport Thieme und Pantarai.

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