Statement zum Felssturz in Brauneck


17.8.01

Neulich erhielten wir von einer lieben Besucherin unserer Seite die Anfrage, ob denn nun alle Felsen nach dem Felssturz im Herbst 2000 im Braunecker Klettergebiet wieder zugänglich wären. Günther Merxx, der dort mit der I. G. Klettern München & Südbayern e.V. die Routen einrichtete, schickte uns gestern zu dem Thema folgendes Statement (Danke!):

Hi Claudia,

ein paar Anmerkungen zu der angeblichen Lebensgefahr an den Einstiegen. Letzten Herbst schepperte es in der Tat gewaltig. An einem Wochende, an dem sicherlich 20 Seilschaften und unendlich viele Wanderer (der Parkplatz der Seilbahn war voll wie im Winter) auf dem Brauneck unterwegs waren, topropte irgendwer eine Route an der relativ unlohnenden Rißwand. Dieserjenige war jedoch relativ überfordert, so daß er dynamisch mehrfach versuchte, den Einstieg zu überwinden, aber jedesmal wieder abspringen musste. Der Block unter ihm, den andere schon brotzeittechnisch öfters benutzt hatten und der sich keinen Millimeter bewegte, fand die Kombination aus Trampolin und Topropen nicht so erregend. Sabine Kolling und Stefan Ringmann (Autoren des Voralpenführers) befanden sich unterhalb der Rißwand , am Einstieg zur "Him. White" am Wachturm. Da sie obenbeschriebene Aktion zu hektisch fanden, wechselten sie zur anderen Seite der Rinne an die Ameisenwand. Eine Minute später löste sich der Block und schlug genau an dem Einstieg ein, an dem sie zuvor gestanden hatten. Dabei vaporisierte er die Kante der Tour und rollte weiter gen Stiealm. Wie durch ein Wunder wurden weder die Kletterer, die sich rechts und links der steilen Rinne zwischen First, Wachturm, Riß- und Ameisenwand befanden noch die Wanderer unterhalb, von denen einige sinnvollerweise ein Picknick im Geröllfeld ! unterhalb der Felsen genossen, verletzt. Tumultartige Szenen spielten sich dann auf der Stialm ab: Malte Roeper und ein Kamerateam von "Bergauf-Bergab", die gerade einen Bericht übers Brauneck erstellt hatten und nach getaner Arbeit das schöne Wetter auf der Terrasse genossen, sahen sich einer aufgebrachten Wanderschar gegenüber, die dann doch allen Ernstes behaupteten, das dieses ihre Schuld sei, da sie uns für die Filmaufnahmen dazu gebracht hätten, "Stifte in den Fels zu dreschen, daran zu klettern und dann auch noch Steine runterzuschmeißen". Danach war mir klar, wie Schlagzeilen in der Regenbogenpresse zu Stande kommen…

Die harte Stellungnahme im Voralpenführer entstand verständlicherweise unter dem Eindruck, dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen zu sein. Noch am gleichen Abend haben wir alles lose Gestein entfernt und den großen Block (Eßtischgröße) mit Bohrhaken und Statikseilen abgesichert. Der liegt jedoch so fest und verkeilt, das wir ihn später nicht bewegt bekommen haben.

Man kann also wieder ohne größere Gefahr dort klettern. Es sollte aber jedem klar sein, daß das Brauneck keine Kletterhalle ist und das trotz größtenteils recht üppiger Absicherung man sich immer noch im Gebirge befindet, wenn auch Seilbahn und autobahnmäßige Wanderwege manchem das Fehlen alpiner Gefahren zu suggerieren scheint. Also Augen auf, Helm auf und nicht das Gehirn an der Seilbahn abgeben. Wer die "normalen alpinen Spielregeln" beachtet, kann dort oben einige schöne Klettertage verbringen .

Und hier geht es zum damaligen Topo. Einige Routen sind inzwischen dazu gekommen.!!