Neues Klettergebiet und Kletterführer in Laos


Xaysomboune Special Zone

Von Dottore Volker Schöffl :-)

Nachdem wir in den letzten Jahren vor allem in der Nähe des Backpackerzentrums Vang Vieng am Klettern waren reizte uns eine Gegend in Laos schon immer, die Xaysomboune Special Zone. Während des Vietnamkrieges war hier der Schwerpunkt der Gefechte und seitdem ist das Gebiet ein militärisches Sperrgebiet geblieben. In den Bergen um den ehemaligen Amerikanischen Flugplatz des CIA in Long Tieng (in den 70er Jahren gab es hier pro Tag mehr Starts und Landungen als in Frankfurt!) sitzen immer noch Guerillaeinheiten und bekämpfen die laotische Regierung. 
Allerdings renkte sich die Situation über die letzten Jahre zunehmend ein und in der nahen Zukunft soll aus dem militärischen Sperrgebiet eine eigene Provinz werden. Mein laotischer Freund Inty Deansavan (http://www.greendiscoverylaos.com) erhielt als erster und einziger laotischer Abenteuerreiseunternehmer eine Lizenz für Rafting Touren am Rande der Spezial Zone. Vor 2 Jahren war ich mit ihm auf einem Erkundungstrip und wir testeten die Rafting Tour am Nam Ngum. Ein 16 Stunden Trip bei dem ich 2 mal in Stromschnellen des 5ten Grades geschwommen bin und den ich nicht wiederholen möchte. Abgesehen von meiner Zeit unter Wasser konnte ich allerdings viel von unberührter Natur, herrlicher Landschaft und Bergen sehen. 

Einige Bücher über die Zeit in Laos während des Vietnamkrieges beschreiben viele hohe Felsklippen um das Gebiet von Long Tieng, an welchen regelmäßig die teils übel zerschossenen Maschinen zerschellten. Unser Plan war schnell gefasst, - da müssen wir hin.
Seit 1-2 Jahren gilt nun die Staub- und Schotterstrasse nach Xaysomboune Town, der Zentralstadt in der Special Zone, als relativ sicher, allerdings waren die Militärkontrollen für Touristen nicht passierbar. Letztes Jahr bin ich dann vor Neid geplatzt als Inty eines Tages völlig verdreckt mit einem Geländemotorrad bei mir im Krankenhaus in Laos auftauchte und erzählte er war in Xaysomboune gewesen und dort gebe es gigantische Felsen. Shit, und ich war nicht dabei.Diese Jahr hat es dann endlich geklappt, Isa (Isabelle Roloff), Frank (Einwag), Julian (Körner) und ich wurden offiziell bei Inty als Guides für Wildside eingestellt und erhielten zusammen mit Hoy, Inty`s Kletterguide aus Vang Vieng, ein Permit für 2 Wochen Spezial Zone. 

Etwas mulmig wurde es uns dann schon, wie wir die Militärsperren hinter uns ließen und Frank und ich mit den Motorrädern an dem offenen Jeep, auf dem Isa und Julian im Staub lagen, vorbei fuhren. Ich habe leider in den letzten Jahren in Laos zu viele Schussverletzungen gesehen, so dass wir die 100 km Offroad schnellst möglich überwinden wollten. Letztlich war aber alles halb so wild und wirkte relativ sicher. 
Unser Eintreffen in Xaysomboune Town erregte einiges an Aufsehen, waren wir doch die ersten „Weisen" die dort nach 50 Jahren eintriefen. Kleine Kinder verdauen unseren Anblick oft nicht so gut, heulen oder laufen weg. Anders bei den Teenagern, die zeigten uns den „Thumb up" und riefen „America number one". Was wir dann aber dort wirklich wollten, haben die wenigsten verstanden. Meist wurden wir für Goldgräber gehalten, was sonst bringt eine Gruppe an sich vernünftig wirkender Europäer mit ewig viel Gepäck in dieses verlassene Gebiet ? Doch es gab in dem kleinen Ort sogar ein Guesthouse, für laotische Reisende, in welchem es ganz normal war wenn Gäste mit einer Kalaschnikow in der Hand eincheckten. Und noch etwas hatte das Guesthouse, einen kleinen Nightclub. In einer Art Höhle konnten wir dann auf laotischen Sing Sang abhotten oder mit den Kids zu amerikanischen Rapp Tapes Breakdance veranstalten. Und viel viel Beer Lao trinken. – Übrigens der Braumeister der laotischen Nationalbiermarke hat einen Dipl.Ing. aus Weihenstefan über Brautechnik, spricht fließend Deutsch und ist der beste Kunde seines Bieres. – nein es ist nicht der B.....

Nach den üblichen Registrierungen mit den lokalen Autoritäten, Polizei und Militär bekamen wir dann 2 Polizisten zum Geleitschutz und konnten Felsen suchen gehen. Dies erwies sich zunächst als gar nicht so leicht, weite Flächen des Gebietes sind noch von Blindgängern und alten Minen verunreinigt. Und sehr weit vom Ort ließen sie uns eh nicht gehen, dann meinten sie dass sie mehr Militärschutz für uns bräuchten. Allerdings war das nicht nötig, keine 20 min vom Ort entfernt fanden wir eine einfach geniale Wand. 200m breit, 40m hoch und 30° überhängend, viele Sinter und komplett sauber. Da Xaysomboune in den Bergen liegt war es auch nicht zu heiß, wir konnten sogar in der Sonne klettern. Natürlich waren wir die Attraktion im Ort und hatten viele Zuschauer. Es wurde zum Sonntagsausflug im Ort da hoch zu laufen, um zu sehen was die „Langnasen" – das sind wir ?, so treiben. Währenddessen legte unser Begleitschutz die Knarre and den Felsen und stieg in´s Sportklettern ein. Immerhin, seine erste Tour war 6c und er war barfuss. Vor allem die Mädels waren an unserem Treiben interessiert. So kam es durchaus vor das 2 Teenager zum Felsen kamen, sich dort hinterm Felsen frisch einkleideten, inkl. Schminkkoffer, um sich dann mit uns zu fotografieren...

Insgesamt haben wir eine gute Woche am Klettern und Bohren dort verbracht und konnten wirklich klasse Routen einbohren und Klettern. Zum Abschluss waren bei einem offiziellen Dinner beim Gouverneur, was mit einem Besäufnis endete bei welchem aus 5l Spritkanistern der Schnaps ausgeschenkt wurde. Es gab, ganz im kommunistischen Sinn, viele Ansprachen und ich musste dann auch eine Rede über die weitere Entwicklung des Kletterportes in Xaysomboune halten (?). Nachdem das Englisch der meisten Zuhörer sehr schlecht war und eine ältere Laotin noch Französisch konnte (ehem. franz. Kolonie) lief das so ab. Ich redete in Englisch, Isa übersetzte in Französisch und die Laotin in Lao. Na aber wir waren immer noch besser als die anderen Redner. Der Gouverneur sprach ca. 10 Minuten und Kin, welche ins Englisch übersetzten sollte, was sie immerhin angeblich studiert hatte sagte: Hm, - äh, welcome. Das wars, das dauert auf laotisch anscheinend 10 Minuten. Doch bei Lao Lao (Laotischem Reisschnaps), gegrillten Heuschrecken und Suppe mit Ameiseneiern kommt man sich auch so näher. Und weg wollten sie uns sowieso nicht mehr lassen. Als wir schon auf den Motorrädern saßen rannten uns unsere Freunde weiterhin mit Bier und Schnaps hinten nach, so dass wir uns recht 
bedüdelt auf den Heimweg machten. Zurückgeblieben sind wunderschöne Erinnerungen und da gibt's es dann noch so eine andere Wand die wir am letzten Tag gefunden haben... 

Greendiscovery Laos hat inzwischen auch einen Kletterführer Laos herausgebracht den es in den Offices in Vientianne, Vang Vieng und Luang Phrabang gibt (http://www.greendiscoverylaos.com/climbing.htm). Die neuen Topos aus der Special Zone findet ihr hier zum Runterladen (pdf)