Das Kletterlexikon - Kurz erklärt


Das nachfolgende Kletterlexikon haben wir schon mal vor 2 Jahren für eine andere Webseite geschrieben. Nun möchten wir es den Anfängern unter Euch ein wenig upgedatet zur Verfügung stellen. Sollte Ihr weitere Fragen haben, mailt uns einfach wie gewohnt an.

Was bedeutet eigentlich der Begriff «Freeclimbing»?

Viele, die nicht aus dem Bereich Bergsport kommen, denken bei der Bezeichnung «Freeclimbing» stets, dass es sich um das Klettern ohne Seil handelt. Das ist natürlich nicht richtig. «Free» deshalb, da keine künstlichen Hilfsmittel wie beim früheren Bergsteigen oder dem Technischen Klettern (siehe unten) erlaubt sind; das heißt also, dass zur Fortbewegung am Fels keine technischen Hilfsmittel wie Strickleitern, Karabiner und ähnliches benutzt werden dürfen. Zwar darf mit Seil und Karabiner gesichert werden, es dient aber nur als Sicherheit im Falle eines Sturzes. Halte- und Trittpunkte sind rein die Strukturen der Felsoberfläche.

Ist Sportklettern etwas anderes als Bergsteigen?

Früher nannte man den Sport nur ganz simpel «Bergsteigen». Inzwischen haben sich jedoch verschiedene Disziplinen herauskristallisiert:

Beim Alpinklettern hat man es hauptsächlich mit höheren Bergen zu tun, oder zumindest mit Felsen, die einen alpinen Charakter aufweisen. Die Gefahren sind hier etwas größer: Wetterumschwünge, schlechtere Sicherungsmöglichkeiten und ausdauerndere Belastungen. Man muss also auf verschiedenste Risikofaktoren achten, was natürlich die vollkommene Konzentration auf die eigene Leistung mindert.

Beim Sportklettern handelt es sich um Felsen, die gut abgesichert sind und meist nur aus einer oder wenigen Seillängen bestehen. Hier kann man eher an seine äußerste Leistungsgrenze gehen. Die oben genannten Risiken sind erheblich reduziert. Spaß macht natürlich beides.

Bouldern

Das Bouldern wird seit den letzten drei Jahren zunehmend beliebter. Es ist ebenfalls eine Variante des Kletterns - allerdings ohne Seil.

Boulder definieren sich über ein paar einzelne und schwere Kletterzüge mit einer maximalen Höhe von etwa sieben Metern.
Bouldern wird sowohl als Trainingsmöglichkeit (Muskel, Technik und Koordination) gesehen, als auch als eigene Sportart: manch einer bouldert nur und klettert nie am Seil. Beim Bouldern lassen sich harte Einzelzüge leichter trainieren. Man kann immer wieder abspringen und das Einzelstellenproblem neu angehen; auch kann man eher mit Freunden gemeinsam etwas Neues versuchen, da einen nicht die Entfernung zwischen oben und unten trennt.

Chalk

Das Chalk heißt ursprünglich auch Magnesiumcarbonat und ist im Turnen schon ziemlich lange im Einsatz. Es wird verwendet, um einen besseren «Grip» zu haben. Im Klartext bedeutet das, dass das pulverisierte Magnesium auf die Haut gebracht wird, den Schweiß absorbiert und die Finger daher nicht so leicht von den Griffen rutschen. Chalk gibt es als reines Pulver oder zu einer festen Masse geformt wird, zum Beispiel als Chalkball. Seit Anfang 2002 gibt es auch ein flüssiges Chalk zu kaufen, das noch sparsamer im Gebrauch ist und länger anhält. Name: Flash

Flash

Flash-Klettern ist wie eine «On Sight»-Begehung, nur darf man die Route schon vorher studiert haben. Dies allerdings nicht durch einen Kletterversuch - sonst wäre es ebenfalls wieder «Rotpunkt» -, sondern durch das Ansehen der Schlüsselpunkte während einer Abseilaktion, oder durch das Beobachten eines anderen Kletterers.

Kleine Anmerkung: seit kurzem gibt es ein flüssiges Chalk unter dem Namen "Flash" zu kaufen. Flash ist also nicht gleich Flash :-)

Hangdogging

Wenn man nach einem Sturz von der letzten Zwischensicherung weiterklettert, so handelt es sich um Hangdogging. Diese Vorgehensweise dient dazu, schwierige Passagen einer Route einzuüben.

On Sight

Damit bezeichnet man eine sturzfreie Begehung einer unbekannten Route im Vorstieg; also mit Seil von unten. Das Ganze muß zudem im ersten Versuch klappen; ansonsten wäre es nur noch «Rotpunkt» (siehe unten).

Der Kletterer darf die Route zwar vom Boden aus studieren, darf aber streng genommen nicht einmal andere Kletterer in der Tour beobachten. Die Route muß völlig unbekannt sein.

Rotkreis

Wenn man nach einem Sturz das Seil nicht komplett abzieht, sondern in der letzten Zwischensicherung eingehängt läßt, um dann vom Boden aus einen neuen Versuch zu starten, so nennt man das «Rotkreis».

Rotpunkt

Rotpunkt bedeutet, dass man eine Route im Vorstieg sturzfrei begangen, und alle Zwischensicherungen (Expressen) während des Kletterns selbst angebracht hat. Stürzt der Kletterer bei einer Begehung ins Seil, er möchte die Route jedoch unbedingt «Rotpunkt»-begehen, dann muß er das Seil abziehen und vom Boden aus neu starten.

Soloklettern

Soloklettern ist nun das, was viele für Freeclimbing halten, also das Klettern ohne jegliche Sicherung. Auch Seil und Haken sind nicht erlaubt. Dass dies mehr als gefährlich ist, liegt wohl auf der Hand, aber manch einer braucht anscheinend den gewissen Kick.

Speedklettern

Das Speedklettern ist eine Disziplin des Wettkampfkletterns. Zwei Kletterer müssen gleichzeitig an einer identischen Tour nebeneinander antreten. Wer als schnellstes sauber klettert, hat gewonnen.

Technisches Klettern

Das Technische Klettern kommt dort zum Einsatz, wo eine Passage nicht bzw. noch nicht frei geklettert werden kann. Grundsätzlich muss man sich das technische Klettern als Kletterei an künstlichen Haltepunkten, wie Strick- und Trittleitern vorstellen. Zu dem hat das Technische Klettern seine eigene Schwierigkeitsbewertung und Gefahrenpunkte. Die Skala geht dabei ansteigend von A0 über A1 und reicht bis A5.

Toprope

Toprope ist das Gegenstück zum Vorstiegsklettern. Der Kletterer begeht eine Route mit Seilsicherung von oben, und ist somit durch eine Umlenksicherung bereits gesichert. Meist hat der Seilpartner diese Route im Vorstieg geklettert und läßt nun den anderen nachsteigen, bzw. topropen. Für Anfänger ist diese Art des Kletterns besonders geeignet.

Wettkampfklettern

Das Wettkampfklettern ist vor etwa zehn Jahren aus dem Sportklettern hervorgegangen und hat ein klar strukturiertes Regelwerk. Es bietet einen objektiven Leistungsvergleich der Teilnehmer.

Wie in anderen Sportdisziplinen werden die Cups auf verschiedenen Ebenen ausgetragen. So gibt es spezielle Bayerische Meisterschaften, Schwäbische Meisterschaften, Deutschlandcups, Europameisterschaften und Worldcups. Die Disziplinen sind einerseits unterteilt in Schwierigkeitsklettern, Speedklettern und Bouldern, andererseits auch nach den jeweiligen Altersklassen in Damen und Herren, Jugend und Junioren, Jugend B und Jugend A.