Posted by DocDoc (145.253.102.75) on November 30, 2000 at 15:43:59:
In Reply to: Schmerzen im Elbogengelenk posted by chris on November 30, 2000 at 14:37:40:
Hallo,
allerdings kommen die Schmerzen von einer Überbelastung. Wenn die Verletzung jetzt noch frisch ist, und vorher noch nie auftrat, dann hast du jetzt geniale Möglichkeiten, es in den Griff zu bekommen. Danach steigen die Chancen, daß es chronisch wird, und du hast ein echtes Problem, nicht nur beim Klettern, sondern auch im Alltag.
Ich empfehle dir erst mal eine kleine Pause zu machen, und danach ganz leichtes Training. Bewegung ist nicht schlecht, nur muß sie jetzt dringend in Maßen geschehen.
Anbei ein kleiner Artikel aus der Medical Tribune zum Thema:
KÖLN - Trotz des Namens macht der so genannte Tennisellbogen nicht nur Freunden des weißen Sports zu schaffen. Ist es zur schmerzhaften Überlastung der Sehne gekommen, dann kann nur die frühzeitige und konsequente Behandlung zum Erfolg führen.
Nur bei ca. 5 % der Betroffenen mit Epikondylitis humeri radialis ist tatsächlich der Tennissport für den schmerzenden Ellbogen verantwortlich – meist liegen andere einseitige Überbeanspruchungen wie z.B. Schraubenzieher-Bewegungen oder das ständige Auswringen eines Putzlappens den Beschwerden zu Grunde, erläuterte der Kölner Orthopäde Dr. M. Schweins auf der 6. Kölner Tagung "Ambulante Chirurgie". Durch die Überbeanspruchung der Streckmuskulatur altert das Sehnengewebe frühzeitig. Die Folge: die Kraftübertragung von der knorpeligen Zwischenschicht auf den Knochen erfolgt bei weiterer Beanspruchung zunehmend ungedämpft, und die dadurch bedingten Mikrotraumen beschleunigen den immerhin bei 1 bis 2 % der Bevölkerung vorhandenen degenerativen Prozess zusätzlich.
Röntgen ja, MRT nein
Mit Ruhigstellung, Physiotherapie und Antiphlogistika kann den Patienten meist geholfen werden – allerdings müssen die Maßnahmen möglichst frühzeitig und konsequent angewandt und die Überlastung in Zukunft gemieden werden. Meist klagen die Patienten über Belastungs- aber auch Ruheschmerz im Bereich des Ansatzes der Streck- und Beugemuskulatur am Unterarm. Bei der körperlichen Untersuchung findet man nach der Erfahrung des Experten einen starken lokalen Druckschmerz am Muskelansatz und eine typische Schmerzauslösung bei Faustschluss, Dorsalextension und Streckung des Mittelfingers gegen Widerstand. Die Röntgenaufnahme bleibt bei der Epikondylitis humeri radialis zwar meist unauffällig, dient aber dem Ausschluss pathologischer Veränderungen am Knochen und sollte immer in zwei Ebenen durchgeführt werden, empfahl der Orthopäde. Auf eine MRT-Untersuchung des Ellbogengelenks kann man dagegen getrost verzichten, da sie keine zusätzliche Informationen bringt, meinte Dr. Schweins.
Vor der Behandlung sollte die Ursache gemeinsam mit dem Patienten aufgeklärt und abgestellt werden, weil nur so eine langfristige Besserung zu erreichen ist. Manchmal genügen schon einfache Maßnahmen, wie schwere Eimer mit dem Handrücken nach unten anzuheben, was die überstrapazierte Streckmuskulatur entlastet, erklärte Dr. Schweins gegenüber Medical Tribune. Lag es tatsächlich am Tennis, können bereits ein anderer Schläger, eine neue Bespannung oder andere Bälle hilfreich sein (s. Kasten). Schlecht, wenn der Patient die Belastung aus beruflichen Gründen nicht vermeiden kann – hier hilft evtl. nur noch ein Arbeitsplatzwechsel.
Die erste Säule der konservativen Behandlung ist die Ruhigstellung, am besten im Oberarmgips über drei Wochen, betonte der Orthopäde. Lehnt der Patient dies ab, kann auch eine spezielle Epikondylitisschiene verschrieben werden. Hierbei handelt es sich um eine Art Hülse am Muskelansatz, die den Druck auf den Knochen abmildert. Sie kann zur Entlastung längere Zeit getragen werden, aber auch zur Vorbeugung, wenn sich die auslösende Bewegung nicht vermeiden lässt. Hinzu kommt eine begleitende Physiotherapie mit Krankengymnastik, Eisbehandlung, Elektrostimulation oder Bindegewebsmassage. Begleitet werden kann die Ruhigstellung durch eine Therapie mit Antiphlogistika wie Ibuprofen oder Diclofenac für zwei bis vier Wochen.
Nicht mehr als fünf Kortison-Injektionen
Kortikoidinjektionen in das Muskelansatzgebiet können helfen, auch wenn es hier häufig nach ca. drei Monaten zu Rezidiven kommt. Manchmal genügt schon eine einmalige Injektion – mehr als vier bis fünf Spritzen sollten keinesfalls verabreicht werden, empfahl Dr. Schweins. Die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie oder Softlaser-Therapie hält der Orthopäde für noch nicht ausreichend validiert. Für welche Therapie man sich entscheidet, hängt nicht zuletzt von den Wünschen und Bedürfnissen des Patienten ab, meinte Dr. Schweins. Es gilt, ihn über die verschiedenen Möglichkeiten einschließlich der Operation aufzuklären. Bei jüngeren Patienten, die sich frühzeitig vorstellen, wird durch eine rein konservative Therapie über durchschnittlich drei bis sechs Monate in etwa 80 % Beschwerdefreiheit erreicht. Schon bei über 25-Jährigen sinken die Erfolgschancen nach der Erfahrung von Dr. Schweins.
Blieb die konservative Therapie erfolglos, können die Muskelursprünge am Epikondylus immer noch operativ (nach Hohmann-Wilhelm) abgelöst werden. Bei 80 % der Patienten wird hier im Langzeitverlauf ein positives Ergebnis erreicht – wenn auch die Rekonvaleszenz nicht wesentlich verkürzt wird.
Quelle: Medical Tribune Kongressbericht