In der letzten Zeit haben sich wieder viele schwerwiegende Unfälle ereignet, teils am Felsen, teils auch in Kletteranlagen. Die Folgen sind mehr als drastisch und hätten leider fast alle vermieden werden können.
Unkenntnis, Leichtsinn und Unkonzentration sind oftmals die Ursachen. Jeder von uns ist mal in der einen oder anderen Situation nicht davor gefeit, und sei es auch nur aufgrund einer Mißverständigung mit seinem Sicherungspartner (z.B. bei Umfädelaktionen).
Im folgenden werden wir die meisten Fehlerquellen und deren Vermeidung explizit darstellen.
Zuvor jedoch möchten wir noch an Euch alle den Appell richten:
Achtet bitte nicht nur auf Euch selbst, sondern auch auf Euren Kletterpartner und Routennachbarn !
Die meisten Sitzgurte haben heutzutage eine tragende Schnalle. Diese muß geschlossen und vor allem rückgeschlauft werden. Erst danach ist der Gurt einsatzbereit. Gerade Anfänger ohne Grundkurs vergessen dies des öfteren

Viel belächelt und doch eine der häufigen Absturzursachen. Oft kann man in Klettergärten beobachten, daß die Anseilknoten entweder fehlgeknüpft wurden, nicht zurückgeschlauft oder richtig nachgezogen wurden. Empfohlen werden hierbei sowohl der doppelte Bulinknoten, als auch der Achterknoten (siehe Skizzen).
Achterknoten

Beim doppelten Bulinknoten muß darauf geachtet werden, daß zunächst ein einfacher Bulin geknüpft wird. Die anfangs gebildete Luftschlaufe muß durch Zug an der Kletterseilseite durchgeführt werden und nicht durch Zug am Seilende. Danach verfolgt man mit dem noch ca. 60 cm. langen Seilende den parallel liegenden Seilstrang zuerst nochmals durch die Anseilschlaufen und anschließend durch den Knoten.
Knüpfen des doppelten Bulinknotens
Gerade beim Toprope-Sichern muß der Sichernde laufend Seil einnehmen während sein Partner klettert. Wichtig hierbei ist, daß die Bremshand zu keinem Zeitpunkt das Bremsseil losläßt. Leider kann gerade dies sehr oft in den Klettergärten beobachtet werden. Kommt es jedoch in diesem Moment zu einem Sturzfall, dann rauscht die Sicherung unkontrolliert durch. Ein Griff ins laufende Bremsseil kann hier in den seltensten Fällen noch helfen.
Bei Anfängern, die zuvor keinen Kurs absolviert hatten, konnten wir des öfteren auch beobachten, daß irrtümlicherweise die meiste Konzentration auf die Führungshand und dessen Seilbereich und nicht auf die Bremshand und das Bremsseil gelegt wird. Dies führt bei einem Sturzfall ebenso wie oben zu unkontrolliertem Seildurchlauf.
Einnehmen des Seils beim Topropesichern
Problematisch sind die Fälle, in denen der Sichernde erheblich leichter als der Vorsteiger ist. Bei mehr als 10 kg. Gewichtsunterschied sollte unbedingt eine Selbstsicherung konstruiert werden. Diese sollte so angebracht werden, daß es den Sichernden zwar zunächst etwas hochziehen kann, er aber letztendlich ohne irgendwo anzuschlagen in der Luft verspannt hängenbleibt (z.B. mittels Ankerstichschlinge an einem Baum oder schon gesetzten Ringhaken)
Eine Selbstsicherung ist auch dann anzuraten, wenn:
Express-Schlingen können sich entweder von selber öffnen und das Seil freigeben, es kann aber auch durch eine Querbelastung vorkommen, daß der Karabiner einen Sturz evtl. nicht aushalten wird.
Um eine Querbelastung zu vermeiden, sollte, um nur eine Alternative zu benennen, die unteren Karabiner mit Gummi fest an die Schlaufe fixiert werden, so daß sie nicht mehr verrutschen kann.
Um eine Selbstöffnung zu vermeiden, muß man je nach Felsgegebenheit die Expressen einhängen.
- Bei großen Hakenösen kann sich die gesamte Expreßschlinge ausklinken, wenn sie in einer kreisförmigen Bewegung nach oben bewegt wird, z.B. beim Überklettern der Zwischensicherung. Klettert man links vom Haken, sollte deshalb der Schnapper des oberen Karabiners auf der rechten Seite sein; entsprechend umgekehrt. Gegebenenfalls hier 2 Expreßschlingen parallel einhängen.
- Bei der Verwendung von Expreßschlingen sollte man grundsätzlich darauf achten, daß das Seil unverdreht eingehängt wird.
S. 45 Felsklettern M. Hofmann
Im letzten Betong, Ausgabe 3/99 wurde das Umfädeln von Routen schon einmal beschrieben. Da gerade dies aber eine sehr häufige Unfallursache ist, werden wir noch einmal kurz darauf eingehen.
Befindet sich an der Umlenkung der Sportkletterroute weder ein Schraub- oder Schnappkarabiner, noch ein Sauschwanz, so müßt Ihr an der Umlenkung umfädeln. Sollte sich hier nur ein Zwischensicherungshaken (entgratete Ösen) befinden, ist es sinnvoller sich selbst per Abseilachter abzuseilen. Ansonsten wird das Seil zu stark angegriffen.
Bei zuverlässigen gerundeten Ösen kann man nach Umfädeln des Seils durch den Sicherungspartner abgelassen werden.
Sollte es unklar sein, ob das Seil zum Ablassen ausreicht, muß der Sicherungspartner vorsichtshalber das freie Ende unbedingt an seinem Körper fixieren.
Für den Sicherungspartner gilt während des ganzen Ablaufs, daß er den Fädelnden zu keiner Zeit aus der Sicherung komplett herausnimmt.
Daß Griffe im Naturfelsen ausbrechen, ist den allermeisten inzwischen bewußt. Gerade in unbekanntem Gelände, noch mehr, wenn dieses etwas brüchig wirkt, halten sich die meisten doch an eine gewisse Skepsis, was Griffe- und Tritte- Festigkeit betrifft.
Hingegen kann in künstlichen Klettergärten zunehmend beobachtet werden, daß Kletterer Kunstgriffe für absolut bombenfest erklären und ihnen der Gedanke, daß dieser brechen könnte komplett abwegig erscheint. So sieht man in der Hochsaison mehrere Kletterer, die free solo die Kunstwände erklimmen, da sie nach eigenen Aussagen die Route schließlich in und auswendig kennen.
Gerade dies ist aber eine fatale Annahme. Es liegt in der Natur eines jeden Kunstgriffes, daß er 1. irgendwann mal brechen kann ( durch häufiges Umschrauben, durch zu festes Anschrauben, durch unebene Wangegebenheiten unterhalb des Griffes, durch schlechteres Material usw.) und 2. Ein-sich-lockern des Griffes des öfteren vorkommt.
Belastet deshalb jeden Griff und jeden Tritt so, als ob Ihr Euch im Felsen bewegen würdet; vor allem wenn Ihr an Sicherungspunkten seid oder Euch noch in einer Höhe befindet, in der ein Underground durchaus möglich ist.
Seid den anderen zudem ein Vorbild und bouldert nur bis zu einer Höhe von ca. 3 m. Durch Free-solo-Begehungen gefährdet Ihr nicht nur Euch selbst, sondern auch die Kletterer, die sich unter Euch bewegen.
- Überprüft nicht nur eure Montur, wie korrekt angezogener Sitzgurt und Knotentechnik, sondern auch die eures Kletterpartners. Lieber einmal zuviel nachsehen, als einmal zu wenig
- Achtet auch ein wenig auf eure Kletternachbarn. Gerade in den künstlichen Anlagen befinden sich viele Anfänger, denen hin und wieder ein Fehler geschieht. Schaut nicht weg, sondern steht ihnen von selber mit Rat und Tat zur Seite. Wir haben alle mal angefangen und waren auf Tips angewiesen.
- Wenn ihr mit GriGri sichert, achtet darauf, daß ihr es 1. richtig eingelegt habt und 2. daß ihr trotz der guten Technik des Gerätes ständig die Hand am Bremsseil behaltet. Auch hier haben sich schon einige Unfälle ereignet, z.B. wenn der Sturz des Vorsteigers sehr weich ist oder das Seil zu dünn oder zu neu ist (gerade bei Imprägnierung).
- Nehmt beim Toprope nie die letzte (noch besser die letzten 2) Zwischensicherung heraus, sondern befestigt sie am Bremsseil des Sichernden. Sollte die Umlenkung aus welchen Gründen auch immer mal versagen, so seid ihr während des Topropens weiterhin gesichert.
Sowohl geliehenes, als auch eigenes Klettermaterial sollte des öfteren auf Verschleiß geprüft werden und gegebenenfalls ausgewechselt werden.
Als grobe Richtlinie gilt - sofern man keinen direkten Verschleiß sieht - folgendes:
- Seile, die nur mäßig genutzt werden, sollten spätestens alle 3 Jahre erneuert werden
- Seile, die stark gebraucht werden, sollten jährlich ausgetauscht werden.
- Nach einigen Normstürzen (beachtet die Seilinfo) muß das Seil sofort erneuert werden, dasselbe gilt, wenn Seile und Gurte mit Benzinsäuren o.ä. in Berührung kommen.
- Gurte können zwischen 5 und 6 Jahren in Benutzung bleiben, vorausgesetzt, daß weder an den Nähten, noch an den Anseilschlaufen Verschleiß auftritt.
Danke, daß Ihr bis hierher alles durchgelesen habt. Egal ob Anfänger oder schon Profi-Kletterer, gewisse Punkte kann man sich nie oft genug vergegenwärtigen.
Auch wer denkt: "pah, das geschieht doch nicht mir; ich klettere nun schon seit 6 Jahren und mir ist noch nie was passiert", ist vor Fehlern nicht gefeit. Auch berühmte Beispiele, u.a. Lynn Hill, die vor ein paar Jahren ihren Knoten falsch knüpfte und lange Zeit im Krankenhaus lag, zeigen uns, daß der Mensch eben nie fehlerlos ist.
Auch in den nächsten Ausgaben werden wir hin und wieder einige Sicherheitstips integrieren und anhand von realen Geschehnissen Vermeidungsstrategien anführen.
Vorerst verbleiben wir aber in der Hoffnung, daß Ihr uns alle gesund und unverletzt bleibt, mit betonierten Grüßen C.O.
Dieses Special entstand aus einer Kooperation mit der ROTPUNKT-Schule, die uns mit Auszügen aus ihren Büchern und Lehrplänen freundlicherweise unterstützte.
KONTAKTADRESSE: |
LITERATUR: |
| ROTPUNKT-SCHULE , Michael Hoffmann | "SPORTKLETTERN", Klettertechnik |
| Zugspitzstr. 14 | Sicherungspraxis, Lehrbuch |
| 81541 München | Michael Hoffmann |
| TeL: 089 / 6928574 | ISBN: 3-926693-16-9113 |